Ärzte Zeitung online, 25.10.2017

Verbieten oder erlauben

EU-Ausschuss vertagt Entscheidung über Glyphosat

Dieses Jahr läuft die EU-Zulassung für das Unkrautgift Glyphosat ab. Ein Komitee wollte am Mittwoch über eine Verlängerung abstimmen – und hat dies dann doch vertagt. Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz kritisiert die Vertagung der EU.

EU-Ausschuss starten Beratung über Glyphosat

Hochumstritten in der Landwirtschaft: Der Unkrautvernichter Glyphosat gehört zur Gruppe der Phosphonate.

© Zerbor / Fotolia

BRÜSSEL. Experten der EU-Länder haben am Mittwoch in Brüssel Beratungen über die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat aufgenommen. Kurz vor der Sitzung teilte die belgische Regierung mit, dass sie gegen eine Zulassung des Mittels für weitere sieben oder zehn Jahre sei. Vielmehr schließe man sich der Forderung des Europaparlaments nach einem Verbot bis 2022 an, erklärte Agrarminister Denis Ducarme der Nachrichtenagentur Belga.

Das Herbizid gilt als hochgradig wirksam und wird massenhaft eingesetzt, steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu belasten. Die EU-Kommission hatte ursprünglich die weitere Zulassung für zehn Jahre beantragt, war aber am Dienstag auf fünf bis sieben Jahre zurückgegangen. Kurz zuvor hatte das Europaparlament die Forderung aufgestellt, das Mittel bis 2022 schrittweise zu verbieten.

Zulassung läuft 2017 aus

Die Zulassung für das Mittel in Europa läuft Ende des Jahres ab, wenn sie nicht erneuert wird. Die Entscheidung liegt bei einem Gremium mit Experten der EU-Länder, dem sogenannten PAFF-Komitee (Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed). Ob über dies am Mittwoch abgestimmt wird, ist unklar.

Die Bundesregierung hatte bis zuletzt keine eigene Position festgelegt.

Abstimmung vertagt

Eine Entscheidung war dann auch am Mittwoch nicht nötig. Das zuständige Expertengremium der EU-Länder stimmte am Mittwoch in Brüssel nicht ab, wie die EU-Kommission mitteilte. Stattdessen soll in den nächsten Wochen erneut beraten werden.

Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz Christian Meyer kritisierte in einer ersten Reakion dies als fahrlässig. Die Bundesregierung spiele dabei eine unrühmliche Rolle, erklärte der Grünen-Politiker. "Das ist ein Kniefall vor der Chemielobby. Glyphosat muss sich endlich vom Acker machen", so Meyer. Er verwies auf den Krebsverdacht gegen das Mittel und auf verheerende Folgen für die Natur, insbesondere für Insekten. (dpa)

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