Ärzte Zeitung online, 01.03.2018

Epidemiologie

Weniger Schussverletzungen während NRA-Tagung

Während der Jahrestagung der US-Waffenlobby NRA sinkt in den USA die Zahl der angeschossenen Menschen, ergab eine Studie.

BOSTON. Wenn Zehntausende Waffenfans in den USA zur Jahrestagung der National Rifle Association (NRA) zusammenkommen, sinkt anscheinend die Zahl der Schussverletzungen im Land.

Forscher der Harvard Medical School in Boston und der Columbia University in New York haben Versicherungsdaten von 2007 bis 2015 analysiert. Danach gibt es in den USA während der mehrtägigen Zusammenkunft 20 Prozent weniger Schussverletzungen als an gleichen Tagen in den je drei Wochen zuvor und danach.

Während der NRA-Tagungen lag die Rate der Schussverletzungen bei 1,25 pro 100.000 Menschen, sonst waren es 1,5/100.000, wie Dr. Anupam Jena und Andrew Olenski berichten (NEJM 2018; 378: 866).

Der Rückgang sei wahrscheinlich auf die "kurze Zeit der Waffen-Abstinenz während solcher Versammlungen" zurückzuführen, schreiben die Forscher. Die NRA-Tagungen besuchen nach ihren Angaben über 80.000 Menschen.

Es kann keine Kausalität abgeleitet werden

Die Zahlen belegen nach Ansicht der Autoren, dass solche Verletzungen nicht nur – wie oft behauptet – auf den Umgang ungeübter Novizen mit Waffen zurückgehen, sondern auch erfahrenen Menschen passieren.

Denn Waffenbesitzer, die so interessiert an dem Thema sind, dass sie zur NRA-Tagung anreisen, könnten eher gut mit Waffen umgehen oder hätten damit sogar beruflich zu tun.

Trotzdem sinkt der Studie zufolge die Zahl der Schussverletzungen deutlich, wenn sie sich von ihren Waffen fernhalten. "Das scheint die These zu widerlegen, dass Verletzungen durch Waffen nur auf zu wenig Erfahrung und Training im Waffengebrauch zurückgehen", sagt Jena.

Waffen-Unterstützer - inklusive der NRA - bringen diese Behauptung im Kampf gegen striktere Gesetze immer wieder vor. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ihre Untersuchung eine Beobachtungsstudie ist. Deshalb könne daraus keine Kausalität abgeleitet werden.

Aber: "Egal, wie man zu Waffen steht, wir sollten alle anerkennen, dass eine Schusswaffe zu besitzen und zu benutzen ein Risiko bedeutet", sagt Jena dazu.

Nach Angaben von US-Gesundheitsbehörden gab es 2014 mehr als 65.000 beabsichtigte und fast 16.000 unbeabsichtigte Schusswaffen-Verletzungen in den USA. Fast 2000 davon betrafen Menschen unter 18. (dpa)

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