Direkt zum Inhaltsbereich

Ärzte fordern

EU muss den Patienten dienen!

Bis Sonntag wird das neue EU-Parlament gewählt. Die deutsche Ärzteschaft warnt vor zuviel Einfluss der EU auf das deutsche Gesundheitssystem.

Christiane BadenbergVon Christiane Badenberg Veröffentlicht:

BERLIN. Die deutsche Ärzteschaft sieht in der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene viele positive Aspekte, warnt aber davor, zu viele Entscheidungen auf die EU-Ebene zu verlagern.

Vehement lehnt sie zum Beispiel eine einheitliche europäische Aus- und Weiterbildungsordnung ab. Das geht aus einem Positionspapier der Ärzteschaft zur Europawahl hervor.

Eine einheitliche Aus- und Weiterbildungsordnung würde den unterschiedlichen Erfordernissen der Patientenversorgung in den Mitgliedstaaten nicht gerecht.

Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie habe zwar dazu beigetragen, dass der Arztberuf der mobilste unter den regulierten Berufen sei, basierend auf diesen Erfahrungen werde aber deutlich, dass eine automatische Anerkennung nicht ausschließlich auf Mindestzeiten beruhen kann.

"Das Vertrauen in das System der automatischen Anerkennung wird gestärkt, wenn die nationalen Anforderungen an Aus- und Weiterbildung transparent sind", heißt es.

Ausreichend Spielraum bei Beurteilung der Sprachkenntnisse gefordert

Kernforderungen der Ärzteschaft

  • Patientenschutz vor Marktinteressen
  • Echte Vergleichbarkeit von Berufsqualifikationen herstellen
  • Digiatlisierungschancen richtig nutzen
  • Gesundes und sicheres Arbeitsumfeld für Ärzte erhalten
  • Arzneimittelversorgung sicherstellen
  • In Ausbildung investieren.

Zudem fordert die Ärzteschaft EU-Kommission und Parlament auf, den Mitgliedstaaten bei der Beurteilung der Sprachkenntnisse ausreichend großen Spielraum zu belassen, um auf Sprachdefizite in der Praxis reagieren zu können. Nur so könne der Schutz der Patienten gewährleistet werden.

Gewarnt wird vor einer Migration von Arbeitskräften im Gesundheitswesen zu Lasten ärmerer Mitgliedstaaten. Die EU-Staaten seien selbst dafür verantwortlich Ärzte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe in ausreichender Zahl auszubilden, um ihren jeweiligen Bedarf zu decken.

Die Ärzteschaft fürchtet auch, dass die EU-Kommission aus Gründen der Liberalisierung des Dienstleistungsverkehrs die Deregulierung der freien Berufe vorantreibe. Kommission und Parlament werden deshalb aufgefordert, "ärztliche Leistungen keinen marktwirtschaftlichen Optimierungsstrategien unterzuordnen und bewährte Strukturen beruflicher Selbstverwaltung anzuerkennen".

Die hohe Behandlungsqualität werde durch nationale Regelungen des Berufszugangs und der Berufsausübung gewährleistet.

Aufgefordert wird die EU, Lieferengpässe bei Arzneimitteln zu verhindern. Diese entstünden häufig dadurch, dass Arzneien außerhalb der EU von zu wenigen Herstellern in unzureichender Qualität produziert würden.

Ausbau grenzüberschreitender digitaler Dienste

Das EU-Recht müsse Anreize bieten, die Entwicklung von Impfstoffen, Kinderarzneimitteln, Orphan Drugs oder Krebs wirksam zu fördern. Der Wunsch Zulassungen zu beschleunigen, rechtfertige keine Senkung der Anforderungen an die klinische Evidenz.

Der Ausbau grenzüberschreitender digitaler Dienste müsse an den Kriterien Patientensicherheit, Datensicherheit, Praktikabilität und Interoperabilität ausgerichtet werden, fordern die Ärzte.

"Dies gilt umso mehr, da der Aufbau der nationalen Telematikinfrastrukturen unterschiedlich weit vorangeschritten ist", heißt es. Neue digitale Anwendungen in der Versorgung müssten immer im Verhältnis zu ihrem praktischen Nutzen stehen.

Lesen Sie dazu auch: Ärzte fordern: EU muss den Patienten dienen! Europawahl: Der gesundheitspolitische Parteiencheck Teil I Europawahl: Der gesundheitspolitische Parteien-Check Teil II Gesundheitspolitik der EU: Nichts zu sagen, aber viel zu tun? Digitales Gesundheitswesen in der EU: Gesundheitsdaten – für Apple oder für den Hausarzt?

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Influenza-Risikopatienten systematisch identifizieren

© manusapon kasosod | Getty Images (mit KI bearbeitet)

Impfen in der Praxis

Influenza-Risikopatienten systematisch identifizieren

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Eine Patientenplattform als Ergänzung des Impfgesprächs

© Getty Images/Tetra images RF

Grippeschutz für alle

Eine Patientenplattform als Ergänzung des Impfgesprächs

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Medibiom

© Medibiom

MEDICE

MEDIBIOM – Darmgesundheit neu gedacht!

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: ASTRUM-005-Studie: Finale Analyse des Gesamtüberlebens (OS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

Serplulimab beim ES-SCLC

Aus Evidenz wird eine starke Leitlinienempfehlung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Accord Healthcare GmbH, München
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Heute Preisverleihung

Galenus-von-Pergamon-Preis: Das sind die Kandidaten

Lesetipps
Frau in der Arztpraxis hält sich den Kopf fest

© CineLens / peopleimages.com / Stock.adobe.com

„Rettungskiste“ für die Praxis

Chronische Schmerzen: 5 Tipps fürs Patientengespräch

Porträt von Professor Helmut Schatz

© airborne77 / stock.adobe.com

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?