Ärzte Zeitung online, 20.06.2018

Münsteraner Kreis

Münchener Uniklinik wegen Homöopathie in der Kritik

Mit ihrer Forderung, den Heilpraktikerberuf abzuschaffen, hat der "Münsteraner Kreis" bundesweit Aufsehen erregt. Jetzt gehen die Freunde der reinen Wissenschaft die Münchener Universitätsmedizin an.

Von Christoph Winnat

Münsteraner kritisieren Münchener Uniklinik

Als Stein des Anstoßes wirken Globuli fast immer.

© flashpics / Fotolia

MÜNSTER/MÜNCHEN. Der Münsteraner Kreis, ein Expertennetzwerk, das sich der kritischen Auseinandersetzung mit alternativmedizinischen Verfahren verschrieben hat, legt aktuell der Münchener Ludwig Maximilian Universität (LMU) ein zweifelhaftes Homöopathie-Verständnis zur Last.

Auf der Website der zum Univerbund gehörenden Haunerschen Kinderklinik distanziert diese sich zwar ausdrücklich von der Homöopathie ("Die Homöopathie ist eine höchst umstrittene komplementärmedizinische Methode"). Nur einige Sätze später jedoch betont die Klinik, sich "angesichts der Wünsche vieler Eltern aber auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Homöopathie und anderen komplementärmedizinischen Therapien" einzusetzen.

"Widerspricht sich selbst"

Soviel Kundenorientierung ist den Münsteranern zuviel: "Eine Universität, die in Patientenversorgung, Forschung und Lehre wissenschaftlichen Grundsätzen verpflichtet ist, widerspricht sich selbst, wenn sie an einer wissenschaftsfremden Glaubensrichtung wie der Homöopathie festhält".

Die LMU könne ihrer internationalen Reputation nur gerecht werden, heißt es weiter, wenn sie sich "vom Einsatz der Homöopathie in der Patientenversorgung trennt".

Nach Auskunft der Leiterin des Projektes "Integrative Pädiatrie" der Haunerschen Kinderklinik, Dr. Siegrid Kruse, wird dort seit 1995 Einzelmittelhomöopathie eingesetzt sowie in Forschung und Lehre thematisiert. Inzwischen gebe es jährlich für rund 1000 Patienten homöopathische Konsilanforderungen "von allen Stationen und Abteilungen der Klinik".

Zu den Vorwürfen der Münsteraner wollte sich die LMU zunächst nicht äußern.

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[13.07.2018, 19:04:33]
Dr. Joseph Kuhn 
Nachfrage
Herr Kopp, könnten Sie für das "eindeutige Votum des Deutschen Ärztetags für die Zusatzbezeichnung Homöopathie" eine Quelle angeben? Und bitte auch konkret sagen, welche Kritiker zum Homöopathiekongress in Leipzig eingeladen waren. Danke. zum Beitrag »
[04.07.2018, 15:45:59]
Cornelia Dölling 
Herr Dr. med. Helmut Kopp schrieb uns folgenden Leserkommentar...
Die sogenannten Freunde der reinen Wissenschaft (schon das klingt very spooky), der Münsteraner Kreis will von seiner Mission
die Homöopathie zu verunglimpfen nicht lassen, obwohl sie doch das eindeutige Votum des Deutschen Ärztetags für die Zusatzbezeichnung Homöopathie zur Kenntnis genommen haben müßten.
Laut dem letzten Artikel in der Ärztezeitung über den Münsteraner Kreis scheint eine Medizinethikerin und ein Wissenschaftsjournalist
dieser Runde vorzustehen. Hier darf man wohl schon fragen, mit welcher Kompetenz diese angeblichen Fachleute aufwarten können.
Gebetsmühlenhaft kommt von diesen und ähnlichen Kritikern das Totschlagsargument, Homöopathie sei unwissenschaftlich und
könne keine validen Studien vorweisen. Niemand von ihnen hat sich zuvor über die Homöopathie eingehender informiert.
Im Juli vergangenen Jahres fand auf dem Weltkongress der homöopathischen Ärzte in Leipzig eine Podiumsdiskussion statt, zu
der eine ganze Reihe von Kritikern eingeladen war. Kein Einziger kam!
Die perfide Art, wie jetzt gegen die Kollegin Sigrid Kruse vom Haunerschen Kinderspital in München Stimmung gemacht wird
offenbart auf welchem Niveau sich der Münsteraner Kreis bewegt.
Jeder der Frau Dr. Kruse kennt wird bestätigen, wie hochkompetent sie sowohl schulmedizinisch als auch homöopathisch zum
Wohle ihrer Patienten tätig ist und vielfach aufgrund ihrer großen Kenntnis der Homöopathie Heilungserfolge erzielte, die mit
Schulmedizin allein nicht möglich gewesen wären.


Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Helmut Kopp
Arzt für Allgemeinmedizin
 zum Beitrag »
[21.06.2018, 11:42:04]
Dr. Hans-Werner Bertelsen 
Verantwortungslosigkeit par excellance
Verehrter Herr Kollege Huber,
was daran falsch sei wollen Sie wissen? Nun denn. Sie leiten die Patientinnen und Patienten in die Scharlatanerie. Das hat fatale Folgen und kann tödlich enden. Ich habe es selbst erlebt, wie eine 40-jährige Frau, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, Opfer dieser Gläubigkeit wurde. Es fängt immer mit Zuckerkugeln an. Stets wird dann "ein Gang weiter hoch geschaltet". Das tragische Ende des Liedes war: Injektion von Frischzellen, um eine "Immunantwort" zu provuzieren. Bei einer Asthmatikerin wohlgemerkt. Aber lesen Sie selber nach: http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2012/02/08/insider-bericht/

Dieser Irrsinn muss endlich gestoppt werden.

Wenn Prof. Klein und Dr. Kruse meinen, Patienten mit Hilfe von Gefälligkeitstherapien gewinnen zu können, so stellt sich für mich die Frage, welche ethische Kompass in München zur Anwendung kommt. Es muss ein vorsintflutliches Modell sein.  zum Beitrag »
[21.06.2018, 10:13:45]
Dr. Ellis E. Huber 
Verantwortung
Was ist denn falsch an einem "verantwortungsvollen Umgang mit der Homöopathie und anderen komplementärmedizinischen Therapien?" Wenn wir einen verantwortungsvollen Umgang mit den vom Münsteraner Kreis propagierten Verfahren der Medizin hätten, wären manche Patienten besser dran und manche Probleme weniger hätten wir auch. Wissenschaft, die nicht mehr neugierig forscht und Erklärungen für die Verhältnisse sucht, verkrustet zur dogmatischen Glaubensgemeinschaft. Der Münsteraner Kreis hat mit der heiligen Inquisition mehr gemeinsam als mit einer offenen Wissenschaftlichkeit.  zum Beitrag »
[20.06.2018, 19:36:26]
Dr. Joseph Kuhn 
Homöopathische Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Belastbarkeit
Herr Ell, nur weil man Homöopathie an der LMU praktiziert, heißt das nicht, dass man dort auch der Frage nachgeht, ob sie wissenschaftlich belastbar ist. Das macht die LMU nämlich gerade nicht. Die Cartens-Stiftung gibt Geld, fertig. Der Frage muss man auch nicht mehr nachgehen, dazu gibt es genug Literatur, das Thema ist durch. Nix drin, nix dran. zum Beitrag »
[20.06.2018, 19:14:19]
Roswitha Poppel 
Nachdenklichkeit
Selbstverständlich haben Sie recht, lieber Herr Dr. Kerl. Ein bisschen ist natürlich zuwenig. Aber ich wollte den Münsteraner Kreis nicht überfodern....Übrigens: Nachdenklichkeit ist auch hin und wieder in den Wissenschaften nicht zu unterschätzen.
Der nachdenkliche Beitrag von Herrn Ell ist sehr interessant. Sollte man darüber nachdenken und sich näher damit befassen, bevor man voreilig ein Urteil fällt. zum Beitrag »
[20.06.2018, 12:02:55]
Dr. Joachim Kerl 
Positiver Aktivitätspreis für Münsteraner Kreis
Der Münsteraner Kreis möge weiter auf diesen ideologisch verbrämten Unsinn der Homöopathie aufmerksam machen-möglichst öffentlichkeitswirksam.Gerade weltoffen und ein bisschen mehr als nachdenklich,liebe Frau
Poppel,geht von wissenschaftlichen Handeln und Denken aus... zum Beitrag »
[20.06.2018, 08:46:42]
MD Christian Ell 
Der Widerspruch ist im Münsteraner Kreis
Wird von den Kritikern der Homöopathie nicht die wissenschaftliche Belastbarkeit kritisiert? Und dann will sich eine Uniklinik damit beschäftigen - und es ist wieder nicht recht. Also was denn nun? Wenn man grundlos gegen die Homöopathie ist, dann bitte steht gefälligst auch dazu. Nicht irgendwelche Vorwände vorschieben und dann dagegen vorgehen, wenn man diese beseitigen will. "So sad!" würde jetzt das populistische Vorbild des Kreises von sich geben. zum Beitrag »
[20.06.2018, 08:18:17]
Dr. Joseph Kuhn 
Freunde der reinen und der unreinen Wissenschaft
Die Formulierung "Freunde der reinen Wissenschaft" ist vermutlich sarkastisch gemeint. Wenn man genauer darüber nachdenkt, trifft sie aber den Kern der Dinge. Denn an der LMU München scheint es demgegenüber "Freunde der unreinen Wissenschaft" zu geben.  zum Beitrag »
[20.06.2018, 07:38:40]
Roswitha Poppel 
Entmündigung des Patienten
Vielleicht sollte der Patient eingebunden werden. Die Mehrheit spricht sich für Homöopathie und Naturheilkunde aus. Ich empfinde den Münsteraner Kreis zunehmend ermüdend. In keinem anderen Land gibt es diese Probleme. Vielleicht hat der Kreis das Recht auf die Definition , was Wissenschaft ist und was nicht, weltweit für sich gepachtet. Aber : Wissenschft ist Forschung und kein Stillstand. Also : Weltoffen und ein bischen nachdenklich bleiben.  zum Beitrag »

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