Ärzte Zeitung, 02.09.2010

Kommentar

Ein Schnellschuss ersetzt keine Debatte

Von Florian Staeck

Als der Bundesgerichtshof im Juli einen Gynäkologen freisprach, der sich nach einer Präimplantationsdiagnostik (PID) selbst angezeigt hatte, war klar, dass dieses Grundsatzurteil nicht ohne Schockwellen bleiben würde. Nun fordert der CDU-Europaabgeordnete und Arzt Dr. Peter Liese eine Regelung, die die PID in Deutschland verbieten soll. Viele Experten haben zu Recht Zweifel, ob ein eigenes Gesetz zu diesem Teilbereich der Reproduktionsmedizin sinnvoll ist - zu viele Widersprüche tun sich etwa zwischen Abtreibungsrecht und Embryonenschutzgesetz auf.

Eigens geregelt ist dort die PID nicht, weil es das Verfahren bei Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 1990 noch gar nicht gab. Nicht von ungefähr haben die Richter ein PID-Verbot mit Verweis auf die "Einheit des Rechts" abgelehnt. Denn dann wäre der Embryo im Reagenzglas besser geschützt als im Bauch der Mutter.

Gewiss ist der Weg zu einem umfassenden Fortpflanzungsmedizin-Gesetz steinig. Das zeigt der koalitionsinterne Streit, der nach dem BGH-Urteil prompt losbrach. Die breite ethische Debatte, die nötig wäre, sollte aber mit legislativen Schnellschüssen nicht abgewürgt werden.

Lesen Sie dazu auch:
CDU-Europapolitiker Liese wirbt für striktes Verbot der Embryonenauswahl

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Diese Faktoren begünstigen eine Demenz

Wer im mittleren Alter keinen Sport treibt, hat wohl ein stark erhöhtes Risiko, später an Demenz zu erkranken. Und das ist nicht der einzige Risikofaktor, den Forscher entdeckt haben. mehr »

Honorar-Einigung erzielt!

Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben nach siebenstündigen Verhandlungen ihre Honorargespräche erfolgreich abgeschlossen. mehr »

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um rund ein Viertel, so eine aktuelle Studie. mehr »