Ärzte Zeitung, 01.11.2011

Grün-rote Giftpfeile aus dem Ländle

Ärger im Südwesten über die Politik aus Berlin: Baden-Württembergs Landesregierung und die AOK üben den Schulterschluss - und greifen die Bundesregierung scharf an. AOK-Südwestchef Hermann geißelt Bahrs Reform als "Restauration".

Von Helmut Laschet

Giftige Pfeile aus dem grün-roten Südwesten nach Berlin

Ketschmann: Viel Lob für die AOK im Südwesten.

© Kraufmann&Kraufmann / imago

STUTTGART. Mit Baustellen kennt er sich aus, der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen).

Das zeigte seine Behutsamkeit beim Auftritt auf der Veranstaltung "AOK im Dialog" am Montagabend im Bad Cannstatter Römercastell.

Ohne Berlin direkt zu attackieren - das überließ er lieber anderen - betonte er die Bedeutung pragmatischer und kreativer Versorgungsmodelle in der Region.

Pionierarbeit der AOK

Und damit war er gleich bei einem Thema, das die Landes-AOK als bundespolitische Besonderheit auszeichnet: Mit ihrer Kombination aus Haus- und Facharzt-Verträgen leiste sie "Pionierarbeit" und habe innovative Versorgungsmodelle geschaffen.

"Das ist eine Bereicherung, aber auch ein heißes Eisen für das Kollektivvertragssystem der KVen", so Kretschmann. Aber damit sei die AOK "auf der richtigen Spur".

In der Gesundheitspolitik des Landes will Kretschmann zwei Signale setzen: Es wird einen strukturierten Gesundheitsdialog mit allen Beteiligten geben, um in der Region - vor allem bei knapper werdenden Ärzten - in kooperativen Strukturen Lösungen zu finden.

Vorbild aus dem Kinzigtal

Beispielhaft nannte Kretschmann das Modell "Gesundes Kinzigtal". Dass der Dialog gelingt, bestätigten Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner - "es geht fairer als in anderen Regionen zu" - und Landrat Thomas Reumann, der Präsident der Landeskrankenhausgesellschaft.

"Wir haben ideologisch zwischen den Sektoren abgerüstet. Wir schwätzen nicht mehr, wir arbeiten," so Reumann.

Ein zweites Ziel von Kretschmann ist besonders schwierig erreichbar: der Abbau des Modernisierungsstaus in den Krankenhäusern bis 2016. Schon 2011 werden zusätzlich 50 Millionen Euro für Klinikinvestitionen bereitgestellt.

Hermann kritisiert Honorarverteilungspläne

Sache des AOK-Vorstandsvorsitzenden Dr. Christopher Hermann war es, das Versorgungsstrukturgesetz zu verreißen: "Das ist in weiten Teilen Restauration und ein Rückschritt in die 80er Jahre."

Besonders hart kritisiert Hermann, dass die Honorarverteilung wieder allein Sache der KV werden soll - und damit von den Mehrheiten in der Vertreterversammlung abhängt.

So könnten Krankenkassen ihre Verantwortung für die Versorgungsstruktur nicht wahrnehmen. Andererseits, so Hermann: "Wir werden unsere Regionalisierungsmöglichkeiten bis zum Anschlag ausnutzen."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

Viele Bundesbürger klagen darüber, dass die Pflegeheime teuer seien, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil für Pflegebedürftige zu beschränken. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »