Ärzte Zeitung, 22.09.2012

Impfstoffe

Engpass verzögert Grippeimpfung

In Bayern kann der für Kassenpatienten vorgesehene Grippeschutzimpfstoff derzeit nicht geliefert werden. Für gefährdete Patienten gelten jetzt Ausnahmeregelungen.

Impfstoffengpass verzögert Grippeimpfung

Hier soll Impfstoff schlüpfen - bloß die Eier sind geduldig.

© Ralf Hirschberger / dpa

MÜNCHEN (sto). Die Influenzaimpfungen können wegen eines Lieferengpasses von Novartis in Bayern in diesem Jahr erst zwei Wochen später als sonst üblich beginnen. Engpässe gibt es auch in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Die Auslieferung des Vertragsimpfstoffes der bayerischen Krankenkassen, Begripal® ohne Kanüle, werde sich voraussichtlich bis Mitte Oktober verzögern. Das teilte eine Sprecherin der KV Bayerns (KVB) auf Anfrage mit.

Bis dahin können besonders gefährdete Patienten, bei denen eine medizinische Indikation für eine Grippeschutzimpfung besteht, auch mit einem der beiden anderen von der STIKO empfohlenen Impfstoffe geimpft werden.

Aus den vergangenen Jahren sei bekannt, dass die meisten Grippeschutzimpfungen zwischen Mitte Oktober und Ende November vorgenommen werden, so die KVB. Bei den Krankenkassen in Bayern sieht man deshalb auch keinen Anlass zur Beunruhigung.

Wenn Begripal® ab Mitte Oktober in Bayern zur Verfügung stehe, könne die Grippeimpfung zwar später als gewohnt beginnen, aber noch im optimalen, vom Robert Koch-Institut empfohlenen Zeitfenster bis Ende November vorgenommen werden, hieß es.

Novartis: Genaue Vorhersage schwierig

Im Übrigen hätten in Bayern, anders als in anderen Bundesländern, alle Versicherten Anspruch auf eine Grippeschutzimpfung, nicht nur Ältere, chronisch Kranke oder Angehörige medizinischer Berufe, teilten die Kassen mit.

Am 14. und am 20. September hatten in Kiel und in München Gespräche zwischen der Novartis Vaccines Vertriebs GmbH und Vertretern von AOK Nord-West, AOK Bayern, Apothekerverbänden und der Ärzteschaft stattgefunden.

Dabei wurde vereinbart, dass der Grippeimpfstoff ab der 39. Kalenderwoche in Schleswig-Holstein und Hamburg und ab der 42. Kalenderwoche in Bayern ausgeliefert wird.

Die Herstellung von Grippeimpfstoffen sei ein komplexer biologischer Prozess, der jährlichen Schwankungen unterliege. Die genaue Vorhersage des Erstauslieferungstermins falle daher sehr unterschiedlich aus, teilte Novartis zur Begründung mit.

Begripal® ohne Kanüle sei aufgrund der in der Ausschreibung erzielten Preise mit Abstand die wirtschaftlichste Alternative bei der Verordnung von Grippeimpfstoff im Sprechstundenbedarf, hatte die KVB im Sommer in einem Rundschreiben an ihre Mitglieder mitgeteilt.

Daneben könnten bei medizinischer Notwendigkeit bestimmte altersbezogene Grippeimpfstoffe über Sprechstundenbedarf bezogen werden, allerdings zu deutlich höheren Kosten.

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