Ärzte Zeitung, 21.01.2014
 

Kommentar zur Sozialversicherung

Ihr Kinderlein kommet

Von Florian Staeck

Eltern sind in einer Sandwichposition: Sie investieren in die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder und unterstützen durch ihre Rentenbeiträge zugleich die Generation ihrer Eltern. So weit, so bekannt.

Es ist das Verdienst der Studie der Bertelsmann-Stiftung, die tatsächliche Belastung für Kinder durch die Rentenversicherung in Cent und Euro berechnet zu haben.

Das Füllhorn sozialpolitischer Leistungen, das angeblich über Familien ausgeschüttet wird, ist eine Schimäre. Kinder zu haben stellt viel zu häufig ein Armutsrisiko dar. Viele junge Paare reagieren auf ihre Art - mit der Entscheidung für ein Leben ohne Kinder. Das Rentensystem ist ungerecht und nicht tragfähig.

Die Umverteilungswirkungen zu Lasten der Familien gelten vergleichbar auch für die Gesetzliche Krankenversicherung. In seinem Pflegeurteil hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2001 Kindererziehung und Beitragszahlung als gleichwertig angesehen.

Die Aufforderung der Richter, die Konsequenzen des Urteils auch für die GKV zuprüfen, hat der Gesetzgeber hartnäckig ignoriert. Inzwischen liegen dem Bundessozialgericht drei Musterklagen vor, mit denen Beitragsgerechtigkeit in der GKV erstritten werden soll. Diesen Systemfehler in den Sozialversicherungen zu beheben, gehört auf die Reformagenda.

Lesen Sie dazu auch:
Sozialversicherung: Familien sind Zahlmeister

[21.01.2014, 07:41:27]
Carsten Windt 
Nicht die Familien tragen die Lasten
Der Schluss, dass die Änderungen zu Lasten der Familien gehen ist falsch. Nicht die Familie sondern die jeweils nächste Generation trägt die Lasten (Sobald sie Berufstätig sind).

Wir müssen uns von der Vorstellung eines gerechten Generationsvertrages verabschieden. Tatsächlich ist es seit Jahrzehnten ein Vertrag zu Lasten dritter. In der Rentenversicherung entnehmen die Rentner noch immer deutlich mehr als sie eingezahlt haben. Zahlmeister sind die die arbeiten.

Rentner und Pensionäre machen ca 25% der Bevölkerung aus. Sie beanspruchen aber 50% aller Gesundheitsleistungen.

Diese Situation ist bereits prekär. Und dann kommen Politiker (nicht etwa aus Menschenliebe, sondern um Stimmen zu fangen)dazu Wohltaten an ihre Wähler zu verteilen. Mütterrente ist da nur ein Beispiel. Kinder dürfen nicht wählen, aber sie dürfen diese Lasten tragen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »

Weltärztebund und Papst im Dialog zur Palliativmedizin

Seltene Kooperation: Weltärztebund und Papst sprechen sich für ein Sterben in Würde aus, aber gegen Euthanasie und assistiertem Selbstmord. mehr »