Ärzte Zeitung, 02.05.2014

Kommentar zu den Hebammen-Plänen

Versicherung oder Steuer?

Von Anno Fricke

Der Minister hat ein großes Wort gesprochen. Die wertvolle und unverzichtbare Arbeit der Hebammen im Land sicherzustellen, sei nicht nur eine Kernaufgabe der Gesundheitspolitik dieser Regierung, sondern auch ihm persönlich ein wichtiges Anliegen. Sein Eintreten für einen auch in der Bevölkerung sehr gut gelittenen Berufsstand verdient Respekt.

Mit dem Vorschlag, einen Teil des Behandlungsfehlerrisikos der Geburtshelferinnen auf die Beitragszahler der Kassen abzuwälzen, begibt sich Gröhe jedoch auf vermintes Gelände. Die Kassen sollen nach den Vorstellungen des Ministers auf Regressforderungen gegenüber der privaten Assekuranz verzichten müssen.

Das würde bedeuten, dass die Beitragszahler für Fehler einer Berufsgruppe haften und einen Teil des eigentlich der Versicherungswirtschaft zugedachten Geschäfts übernähmen. Zudem würden Begehrlichkeiten auch bei anderen Berufsgruppen geweckt, zum Beispiel bei den Ärzten.

Wenn die Risiken auf einem Markt nicht mehr sinnvollerweise zu versichern sind, gleichzeitig das Hebammenwesen, wie der Minister angedeutet hat, gesamtgesellschaftliche Bedeutung genießt, dann gehört die Absicherung eher ins Steuersystem, nicht aber in die umlagefinanzierte Versicherung.

Lesen Sie dazu auch:
Gröhes Plan: Kassen sollen Zuschlag für Hebammen zahlen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fischkuss bringt Angler fast um

Ein Hobbyfischer zieht eine kleine Seezunge aus dem Wasser. Kurz darauf steht sein Herz still – aber nicht vor lauter Anglerglück, wie Ärzte bald herausfinden. mehr »

Erste Beschwerden gegen Facebook und Google

Unmittelbar nach Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat der Verein "Noyb" erste Anzeigen gegen Google und Facebook wegen "Zwangszustimmungen" auf den Weg gebracht. mehr »

CRISPR/Cas-Methode - Zwischen Zauberwerk und Hexenkunst?

Die CRISPR/Cas-Methode könnte hohen therapeutischen Nutzen stiften. Sie lässt aber auch Allmachtsfantasien blühen. Der Ethikrat sieht dies skeptisch und fordert mehr Regulierung. mehr »