Ärzte Zeitung, 10.07.2015

Nach Rücktritt der Vorstände

AOK-System vor personellem Neuanfang

Beide Vorstände des AOK-Bundesverbands werfen das Handtuch. Über die Nachfolge könnte ein neuer Machtkampf entbrennen.

BERLIN. Nach dem Rücktritt ihres Führungsduos Jürgen Graalmann und Uwe Deh steht der AOK-Bundesverband kopflos da.

Es war wohl nicht mehr die Frage, ob Köpfe rollen würden, nur der Zeitpunkt war offen.

Nach einer Sitzung des erweiterten AOK-Bundesvorstands, an der alle elf regionalen AOK-Chefs teilnahmen, war es dann so weit.

In der Presseerklärung vom Donnerstag ist verschwurbelt von divergierenden Auffassungen über Strategie und Weiterentwicklung des Verbandes die Rede.

Tatsächlich galt es in der Szene als offenes Geheimnis, dass sich die beiden Vorstände einen Machtkampf lieferten, der auch die von ihnen geführten Abteilungen einbezog.

Graalmann war im politischen Alltag auf allen Berliner Bühnen präsent, Deh oblag die Aufgabe, sich um die wenig glamourösen Themen IT, Finanzen und Verträge zu kümmern.

Graalmann kam von der Barmer und stieß 2006 zur AOK. Seit 2009 war er geschäftsführender Vorstand und übernahm 2011 den Vorsitz. Deh leitete zuvor die AOK Sachsen-Anhalt und trat im gleichen Jahr den Vizeposten an.

In das Geschehen fügt sich nun auch der Abgang von Jan Carels ein. Der Geschäftsführer für Politik und Unternehmensentwicklung wechselt zum Oktober zum Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa).

Die Nachbesetzung der Führungsposten dürfte die AOK-Familie Zeit und Nerven kosten. Der Bundesverband, der  vom Gesetzgeber zur Gesellschaft bürgerlichen Rechts zurückgestutzt wurde, soll die Speerspitze der Interessenvertretung für die Ortskassen leisten.

Doch das Vertragsgeschäft spielt sich in den Regionen ab. Kein Wunder, dass die regionalen AOK-Vorsitzenden das Treiben ihres Bundesvorstands mit grundsätzlicher Skepsis beäugen.

Fehlen dann die Impulse, weil das Führungsduo mit sich selbst beschäftigt ist, wird der Knall absehbar. In der Interimszeit führen Martin Litsch (AOK NordWest) und Frank Michalak (AOK Nordost) die Geschäfte. (fst)

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (17943)
Organisationen
AOK (7607)
Personen
Frank Michalak (77)
Uwe Deh (122)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Computervirus legt Klinik lahm

Das bayerische Klinikum Fürstenfeldbruck ist von einem Computervirus lahmgelegt worden. Es hatte sich daher auch von der Integrierten Leitstelle des Landkreises abgemeldet und nur dringende Notfälle aufgenommen. mehr »