Ärzte Zeitung online, 14.12.2016
 

PKV-Mitgliederverlust

Wer trägt die Schuld?

Der angebliche Mitgliederverlust der PKV- Branche sorgt für Interpretationsbedarf. Zeigt er die Schwäche des PKV-Systems oder ist der Gesetzgeber Schuld?

KÖLN. Die Tatsache, dass die privaten Krankenversicherer (PKV) in den vergangenen Jahren Vollversicherte verloren haben und mehr Leute von der PKV in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gewechselt sind als umgekehrt, wird unterschiedlich interpretiert.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sieht darin ein Zeichen für die Schwäche der PKV und die Vorzüge einer Bürgerversicherung. Der PKV-Verband dagegen verweist auf externe Faktoren und kann keinen dauerhaften Trend erkennen.

Zimmermann hatte die Entwicklung der Anzahl der PKV-Vollversicherten und die Wechselbewegungen analysiert – Daten, die der PKV-Verband regelmäßig veröffentlicht. Danach ist die Anzahl der Vollversicherten 2012 bis 2015 um rund 190.000 zurückgegangen, per Saldo gaben die Privaten fast 90.000 Versicherte an die GKV ab.

Linken-Politikerin: PKV hat Zenit überschritten

"Die private Krankenversicherung hat ihren Zenit überschritten", schlussfolgert die Linken-Politikerin. Wegen steigender Beitragssätze und "immer schlechteren Leistungen" würden sich immer mehr Versicherte lieber auf die GKV mit ihrem Solidarsystem verlassen.

Der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, Florian Lanz, verwies auch darauf, dass die PKV oft weniger Leistungen als die gesetzlichen Krankenkassen böte und vor allem Rentner unter den hohen Versicherungsprämien litten.

"Das hat sich mittlerweile herumgesprochen", so Lanz. Im vergangenen Jahr waren bei den privaten Kassen rund 8,8 Millionen Menschen versichert. 2012 waren es noch fast neun Millionen gewesen. Im gleichen Zeitraum ist der Zahl der Mitglieder in den gesetzlichen Kassen von 52,4 auf 54,2 Millionen gestiegen.

Ist Rückgang logische Folge der Reformen?

Diese Interpretation weist der Sprecher des PKV-Verbands Stefan Reker zurück. "Der leichte Rückgang der PKV-Vollversicherten von 2012 bis 2015 um insgesamt 2,1 Prozent ist die logische Folge gesetzlicher Vorgaben." Reker verweist auf die kontinuierliche Anhebung der Versicherungspflichtgrenze.

Zudem seien angesichts der guten Beschäftigungslage viele ehemals privat versicherte Selbstständige in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis gewechselt und mussten sich deshalb gesetzlich krankenversichern. "Das sind zwangsläufige Entwicklungen, die mit der Frage der Leistungsfähigkeit oder Popularität der PKV rein gar nichts zu tun haben."

Angesichts der Zahlen von einem Trend zu reden sei falsch. Der negative Wechsel-Saldo habe seinen Tiefpunkt 2013 erreicht, der Effekt schwäche sich seitdem ab "und dürfte schon bald wieder in einen Positiv-Saldo zugunsten der PKV münden". Experten prognostizieren dies schon für 2016. (iss)

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