Ärzte Zeitung online, 20.02.2018

Norden

Kodierung bei KV Nordrhein weiter im Fokus

Neue Versorgungsstärkungsverträge erregen Misstrauen der Aufsichtsbehörden.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Die Aufseher haben nach wie vor den Verdacht, dass Krankenkassen über bestimmte Vereinbarungen die Ärzte ausschließlich fürs Kodieren bezahlen. Am Mittwoch treffen sich deshalb die Aufsichtsbehörden des Bundes und der Länder beim Bundesversicherungsamt (BVA), um über ein einheitliches Vorgehen bei den Betreuungsstrukturverträgen und den Nachfolge-Vereinbarungen zu beraten.

Offenbar haben die neuen Versorgungsstärkungsverträge das Misstrauen der Aufseher erweckt. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" ist insbesondere die Techniker Krankenkasse (TK) ins Visier geraten, die einen solchen Vertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) geschlossen hat.

Die TK kann das nicht nachvollziehen. Man erarbeite alle Vertragsmuster in enger Abstimmung mit dem BVA, sagt Sprecher Dennis Chytrek. Das gelte auch für den Vertrag mit der KV Nordrhein, "der den erhöhten Betreuungsaufwand für multimorbide Patienten auch in der Vergütung berücksichtigt". Sollte das BVA seine Aufsichtspraxis künftig ändern, werde die TK den Vertrag anpassen oder kündigen.

"Wichtig ist nur, dass die Rechtsauffassung des BVA von allen Krankenkassen, auch den nicht unter seiner Aufsicht stehenden AOKen, umgesetzt wird", betont Chytrek.

Der KVNo-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann kritisiert, dass sich die Debatte immer weiter von dem eigentlichen Gegenstand und Ziel der Versorgungsstärkungsverträge entferne: "Einer intensiveren Betreuung und Versorgung von schwerkranken Patienten, verbunden mit einer vollständigen, sachgerechten Kodierung ihrer Erkrankungen".

Die KVNo geht nach Angaben von Bergmann davon aus, dass sie rechtssichere Verträge geschlossen hat, inklusive den mit der TK.

"Die offenbar vor allem dem Wettbewerb unter den Krankenkassen und unterschiedlichen Bewertungen der neuen Versorgungsstärkungsverträge geschuldete aktuelle Diskussion verunsichert unsere Mitglieder und deren Patientinnen und Patienten", stellt Bergmann klar. Sie müsse deshalb so schnell wie möglich beendet werden.

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