Ärzte Zeitung, 25.02.2019

GKV-Markt

Kassen-Plus bricht ein – aber nicht überall

Das AOK-System fährt das Gros der Überschüsse im Vorjahr ein. Für die anderen Kassenarten sind die goldenen Zeiten vorbei.

Kassen-Plus bricht ein – aber nicht überall

Von einem deutlichen Überschuss sind etliche Kassen inzwischen weit entfernt. Ganz überwiegend fließt der Surplus auf das Konto der Techniker Kasse

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BERLIN. Die Zeiten ständig steigender Überschüsse in der Gesetzlichen Krankenversicherung sind vorbei. So hat sich der Überschuss beispielsweise bei den Ersatzkassen im Vorjahr im Vergleich zu 2017 fast halbiert. Der vdek-Verband weist einen Überschuss von 561 Millionen Euro aus, 1,17 Milliarden waren es noch im Jahr zuvor.

Ganz überwiegend fließt der Surplus auf das Konto der Techniker Kasse, die schwarze Zahlen in Höhe von 452 Millionen Euro schreibt (2017: 623 Millionen Euro). Die TK hat allein bis Dezember des Vorjahres die Zahl ihrer Versicherten um 268.000 auf 11,1 Millionen nach oben geschraubt.

245.000 der Neu-TKler waren – beitragszahlende – Mitglieder. Positiv hätten sich im vergangenen Jahr zusätzlich Sondereffekte ausgewirkt, so etwa die Auflösung von Rückstellungen aus den Vorjahren, sagte ein Sprecher der TK. Dagegen verbucht die Barmer als zweitgrößte Kasse einen Überschuss von nur sechs Millionen Euro.

Ursache für den Einbruch bei den Überschüssen ist nach Darstellung des vdek-Verbands, dass die Leistungsausgaben wieder angezogen haben. Die Einnahmen der Ersatzkassen nahmen im Vorjahr um 3,3 Prozent zu, die Leistungsausgaben wuchsen dagegen um fast vier Prozent (3,98 Prozent).

Arzthonorare tragen nur wenig zum Ausgabenzuwachs bei

Unterdurchschnittlich blieb der Ausgabenzuwachs bei den Arzthonoraren (3,51 Prozent), Arzneimitteln (2,58 Prozent) sowie beim Krankenhaus (3,41 Prozent). Bei Heilmitteln wachsen die Ausgaben dynamisch mit fast 13 Prozent – das ist politisch gewollt. Bei Hilfsmitteln beträgt das Wachstum im Vorjahr 5,9 Prozent.

Die Betriebskassen schließen das vergangene Jahr mit einem Überschuss von 198 Millionen Euro ab, rund 100 Millionen Euro weniger als 2017 (295 Millionen Euro). Die Innungskassen verbuchen im Vorjahr ein Plus von 76,5 Millionen Euro. Hier hat sich das Ergebnis im Vergleich zu 2017 sogar mehr als halbiert (174 Millionen Euro).

Dagegen konnte das AOK-System ihr Ergebnis von 2017 nahezu halten: Für 2018 weisen die Ortskassen ein Plus von 1,1 Milliarden Euro aus, 1,4 Milliarden waren es zuvor. Für die Leistungsausgaben gibt der AOK-Bundesverband eine Steigerung von nur 1,4 Prozent an – weniger als die Hälfte im Vergleich zu den Ersatzkassen. Geholfen habe den Ortskassen aber auch ein überdurchschnittliches Wachstum bei jüngeren Versicherten.

Im Sommer des Vorjahres hatten die Ortskassen das Durchschnittsalter ihrer Versicherten auf 43,7 Jahre beziffert – der GKV-weite Wert liegt bei 44 Jahren. (fst)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Nervosität trotz Überschüssen

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