Ärzte Zeitung, 28.08.2012

Kommentar zu den Auswahlkriterien von Spenderorganen

In Grenzfällen bitte pragmatisch

Von Elke Oberhofer

Wie man in Deutschland schnell und unbürokratisch zu mehr Organen gelangen könnte, zeigen Transplantationsmediziner der Berliner Charité auf. Es geht dabei um pragmatische Entscheidungen in Grenzfällen: So ist es im Sinne eines Schwerkranken, dass man ihm eine Niere anbietet, die vielleicht nicht ganz die Kriterien eines Zentrums erfüllt, mit der er aber von der Dialyse loskommt und erst einmal weiterleben kann.

Die Charité-Ärzte räumen selbstkritisch ein, dass sie bei ihren Patienten von Eurotransplant angebotene Organe verschmäht haben, die durchaus dazu geeignet gewesen wären, ihren Dienst zu tun. Hätten die Mediziner der Charité die Organe sofort angenommen, wären die Chancen für ihre Patienten sogar besser gewesen als für die letztendlichen Empfänger. Die Zeit der Nicht-Durchblutung wäre nämlich dann im Vergleich kürzer gewesen.

In Deutschland haben Transplantationskliniken (noch) die Freiheit, selbst die Kriterien festzulegen, nach denen sie Organe akzeptieren oder ablehnen.

Diese Freiheit könnten sie nutzen, um die Messlatte etwas tiefer zu hängen, trotz medizinischer Bedenken, aber dafür mit der Hoffnung, dass ein Patient nicht während der Wartezeit auf ein Organ stirbt.

Lesen Sie dazu auch:
Nierenspende: Kritik an zu strengen Kriterien

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

In kleinen Schritten zum Normalgewicht

Manch eine Adipositas-Therapie scheitert daran, dass die geforderte große Gewichtsabnahme Betroffene abschreckt. Forscher plädieren nun dafür, die Stoffwechsel-gesunde Adipositas als erstes Therapieziel zu definieren. mehr »

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »