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Nierenspende

Kritik an zu strengen Kriterien

Mitten im Transplantationsskandal wirft eine neue Studie ein Schlaglicht auf die Auswahlkriterien von Spenderorganen. Denn zuviele Organe werden offenbar abgewiesen - obwohl sie noch gute Dienste leisten könnten.

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Nierenspende: Trotz Alter und Vorerkrankung oft noch "gut".

Nierenspende: Trotz Alter und Vorerkrankung oft noch "gut".

© horizont21 / fotolia.com

BERLIN (eo). Selbstkritik an der Berliner Charité: 110 von den Transplantationsmedizinern des Hauses verschmähte Nieren wurden von Eurotransplant weitervermittelt und taten ihren Empfängern überwiegend gute Dienste.

Mehr als zwei Drittel von 110 Spendernieren, die von der Charité zurückgewiesen worden waren, hatten ihre Empfänger über mindestens fünf Jahre von der Dialyse befreit (World J Urol 2012; online 18. August).

Nach einem, drei und fünf Jahren arbeiteten noch 71, 62 und 61 Prozent der Organe. Nach fünf Jahren hatten fast 80 Prozent der Empfänger überlebt.

Die durchschnittlichen Serum-Kreatininwerte lagen bei 90 Prozent der Empfänger noch nach fünf Jahren unter 2,97 mg/dl, ein Viertel zeigte sogar Werte unter 1,47 mg/dl.

Vor der Transplantation hatten die Nieren im Schnitt 16 Stunden blutleer auf Eis gelegen. Gut ein Viertel der Patienten hatte ein Organ mit einer kalten Ischämiezeit (CIT) von mehr als 20 Stunden erhalten.

Die Vergabe von Spenderorganen funktioniert innerhalb der Eurotransplant-Zone so: Nachdem die Vermittlungsstelle im niederländischen Leiden den am besten geeigneten Empfänger ausgewählt hat, werden die Spenderdaten an das Transplantationszentrum übermittelt.

Kriterien sollen überarbeitet werden

Der zuständige Arzt analysiert Blutwerte, Alter, Vorerkrankungen und Funktionswerte des Spenders bei Organentnahme und entscheidet dann, ob das Organ für den Empfänger geeignet ist.

Nach den hauseigenen Richtlinien der Charité gilt eine Niere als kritisch, wenn sie von einem älteren Spender oder von einem Patienten mit einer Nierengefäßerkrankung im Zusammenhang mit Diabetes oder Hochdruck stammt.

In diesen Fällen versuchen die Ärzte, die Ursache für den Hirntod herauszufinden, ebenso die Dauer und den Schweregrad der Diabetes- oder Hochdruckerkrankung sowie die Nierenfunktion bei Klinikeinweisung.

Routinemäßig erhoben werden zudem Proteinurie, Kreatinin-Clearance und Ergebnisse vom Nierenultraschall. Sind die Mediziner der Ansicht, dass die Risiken den Nutzen der Transplantation überwiegen, wird das Organ abgelehnt.

Die Charité will nun ihre Kriterien für die Akzeptanz von Organen überarbeiten. Ermutigt werden die Ärzte von einem europäischen Organspendeprogramm, das älteren Empfängern zugutekommt (Eurotransplant Senior Program, ESP).

Nach Studiendaten zeigen Nieren von über 65-Jährigen bei gleichaltrigen Empfängern sehr gute Funktion. Im Rahmen von ESP werden solche Nieren bevorzugt Senioren angeboten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: In Grenzfällen bitte pragmatisch

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