Ärzte Zeitung online, 05.02.2012

Inge Jens: Staat geht mit Demenzkranken empörend um

TÜBINGEN (dpa). Inge Jens, die Ehefrau des dementen Rhetorikers Walter Jens (88), ärgert sich über den Umgang der Behörden mit Demenzkranken. Sie muss alle drei Monate nachweisen, dass ihr Mann auch wirklich immer noch dement ist.

"Die Normen, die bei der Pflege von Demenzkranken angelegt werden, sind grotesk", sagte Jens der Nachrichtenagentur dpa in Tübingen. "Ich muss mir zum Beispiel jedes Vierteljahr bescheinigen lassen, dass mein Mann auch wirklich immer noch dement ist. Es könnte ja sein, dass er schon nicht mehr dement ist und wir immer noch 600 Euro im Monat für seine Betreuung bekommen. Ich finde das empörend."

Außerdem bräuchten demente Menschen anders als klassische Pflegefälle feste Bezugspersonen und jemanden, der etwas mit ihnen unternimmt. "Die Umgebung eines Altenheims ist schrecklich für Demenzkranke. Da bekommen sie überhaupt keine adäquaten Reize mehr", sagte die Literaturwissenschaftlerin, die am 11. Februar 85 Jahre alt wird.

Trotzdem wende der Staat die gleichen Vorschriften wie bei bettlägerigen Patienten an. "Das sind Regelungen aus einer Zeit, als es Demenzerkrankungen zumindest in der Vorstellung der Bürokratie noch gar nicht gab", monierte Jens.

Walter Jens gilt als einer der wichtigsten deutschen Intellektuellen der Nachkriegszeit. Aufgrund seiner Demenzerkrankung ist er rund um die Uhr auf Pflege angewiesen.

In den vergangenen Tagen hatte der ehemalige Fußball-Manager Rudi Assauer für Schlagzeilen gesorgt, als bekannt wurde, dass er an Alzheimer leidet.

Topics
Schlagworte
Pflege (5436)
Demenz (2016)
Krankheiten
Demenz (3312)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Versorgung psychisch kranker Kinder ist ein Flickenteppich

Der Trend bei den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist stabil. Eine einheitliche Versorgungslandschaft besteht in Deutschland aber nach wie vor nicht. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie können sie für eine Impfung gewonnen werden? mehr »

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben. mehr »