Ärzte Zeitung, 17.06.2015

Charité-Pflegestreik

Klinik über Ausmaß der Aktion besorgt

Ab Montag wird an der Charité gestreikt. Deren Leitung hat nun Klage gegen die Verdi-Aktion eingereicht - und hofft auf ein schnelles Ende zum Wohle der Patienten.

BERLIN. Die Leitung der Charité Berlin hat eine einstweilige Verfügung gegen den am 22. Juni beginnenden Pflegestreik beim Berliner Arbeitsgericht eingereicht. Deren Vorstandsvorsitzender Professor Karl Max Einhäupl hofft auf eine Entscheidung des Gerichts innerhalb dieser Woche.

"Das Ausmaß dieser Aktion greift massiv in die Patientensicherheit ein", kritisierte Einhäupl vor Journalisten in Berlin. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Pflegenden seien die Forderungen der Gewerkschaft Verdi schlichtweg nicht zu finanzieren, stelle Einhäupl klar.

Verbindliche Quotenregelung für Personalschlüssel

 Verdi möchte unter anderem eine verbindliche Quotenregelung für den Personalschlüssel von Pflegefachkräften tarifvertraglich festlegen. Im Nachdienst müssten zwei Pflegekräfte pro Station eingesetzt und auf Intensivstationen ein Schlüssel von 1:2 vereinbart werden.

Auf normalen Stationen fordert Verdi eine Pflegekraft für fünf Patienten. Diese Forderungen machen der Charité zufolge rund 600 zusätzliche Vollkräfte im Pflege- und Funktionsdienst erforderlich und verursachen Kosten in Höhe von bis zu 36 Millionen Euro.

Durch den Streik werden nach Aussagen von Professor Ulrich Frei, ärztlicher Direktor an der Charité, 1000 geplante Eingriffe pro Woche - rund 200 Operationen täglich - ausfallen. Eine Clearingstelle wird über die Dringlichkeit der anstehenden Eingriffe entscheiden.

Frei geht von 766 Betten in der Normalpflege und 113 Betten auf Intensivstationen aus, für die kein Personal zur Verfügung stehen wird. "Diese Bettenzahl erfüllt mich mit Sorge", unterstrich Judith Heepe, kommissarische Pflegedirektorin an der Charité.

Die Notfallversorgung lebensbedrohlich Erkrankter bleibt aufgrund einer Vereinbarung zwischen Verdi und Charité gewährleistet. Frei rechnet mit Kosten je Streiktag von bis zu 500 000 Euro. (mam)

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