Ärzte Zeitung online, 15.08.2018

Schleswig-Holstein

Pflegekammer warnt vor Personalnot im Norden

Voraussichtlich 40 Prozent der derzeitigen Pflegefachkräfte in Schleswig-Holstein werden in den kommenden zehn Jahren aus dem Beruf ausscheiden.

Von Dirk Schnack

NEUMÜNSTER. Die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein warnt vor einer "dramatischen Entwicklung" in der Versorgungssituation im Norden. Ohne umgehende Verbesserung der Rahmenbedingungen für Pflegende befürchtet die Kammer eine Verschärfung der Situation, weil in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich 40 Prozent der derzeitigen Pflegefachkräfte aus dem Beruf ausscheiden.

Die Kammer stützt sich in ihrer Prognose auf eine Analyse der Altersstruktur ihrer registrierten Mitglieder. Von den derzeit 21.441 Mitgliedern sind 40 Prozent mindestens 51 Jahre alt, aber nur 6,5 Prozent älter als 61. "Es ist also anzunehmen, dass der überwiegende Anteil der über 60-Jährigen den Beruf vor der Regelaltersgrenze verlässt", warnte die Kammer.

Nicht berücksichtigt sind in dem Szenario die noch nicht registrierten Pflegenden sowie die Pflegeassistenzberufe. Die Kammer ist aber sicher: "Auch hier besteht ein erheblicher, noch nicht bezifferbarer Nachwuchsbedarf."

Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest warnt vor einer Überalterung der Berufsgruppe. Die Verbandsvorsitzende Swantje Seismann-Petersen forderte "signifikante Taten": Auf Bundesebene zur Finanzierung des Personals und zu Mindestpersonalvorgaben, auf Landesebene eine Krankenhausfinanzierung, "die zu besseren Arbeitsbedingungen im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen".

Ziel der Maßnahmen: "Bei der Gestaltung von Arbeitsbedingungen für Pflegende muss es vor allem darum gehen, dass endlich ein gesundes Altern im Beruf möglich wird – und zwar nicht nur mit einer Teilzeitbeschäftigung, sondern in Vollzeit."

Die Pflegeberufekammer sieht sich unterdessen bei der Einbeziehung in politische Entscheidungen im Norden auf einem guten Weg. Die Kammer ist inzwischen in zahlreichen Gremien auf Landesebene vertreten, führt Gespräche mit vielen Institutionen und die Beteiligung an Maßnahmen der Landesregierung für die Pflegeberufe ist vorgesehen.

Die Kammer zieht als Fazit der ersten Monate: "In kurzer Zeit ist die Pflegeberufekammer als Partner für die mit dem Pflegeberuf in Zusammenhang stehenden Themen anerkannt und nachgefragt."

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