Ärzte Zeitung online, 06.04.2018

Reha-Bericht

Wieder über eine Million Rehaleistungen

Etwas weniger Anträge, mehr Bewilligungen. Nach vier Monaten haben sich die Kosten einer Rehabilitation amortisiert. Probleme bereitet die psychosomatische Reha.

Von Alexander Joppich

Leistungen verharren auf Rekordniveau

Rückenübung: Muskuloskelettale Erkrankungen gehören zu den häufigsten Reha-Indikationen.

© Picture-Factory / stock.adobe.com

BERLIN. Die Zahl der Rehamaßnahmen stagniert in Deutschland nahezu. Dem "Reha-Bericht 2018" zufolge wurden im Jahr 2016 mit 1.026.971 Leistungen minimal weniger Rehamaßnahmen realisiert als 2015, dem Rekordjahr seit der Jahrtausendwende (1.027.833 Maßnahmen).

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) genehmigte 2016 rund 1,1 Millionen Anträge zur medizinischen Reha, was einem Anstieg von 1,2 Prozent im Vergleich zu 2015 entspricht (siehe nachfolgende Grafik).

Jedoch wurden vorletztes Jahr bei der Rentenversicherung insgesamt etwas weniger Anträge gestellt (knapp 1,6 Millionen) als 2015 (-1,1 Prozent).

Muskel-, Skelett- und Bindegewebs-Erkrankungen waren 2016 mit 41 Prozent wie in den Vorjahren die häufigsten Rehabilitationsindikationen in Deutschland.

Der fünfprozentige Anstieg im Vergleich zu 2015 sei auf eine verbesserte Zuordnung von verschiedenen Einzeldiagnosen zurückzuführen, die zuvor unter "Sonstige Diagnosen" gruppiert worden seien, erklärt die DRV. Die zweitgrößte Diagnosegruppe bildeten psychische Erkrankungen (16 Prozent) vor onkologischen Erkrankungen (15 Prozent).

Männer öfter wegen Sucht in Reha

Entwöhnungsbehandlungen sind bei Männern dreimal so häufig wie bei Frauen. Bei drei Viertel aller ambulanten medizinischen Maßnahmen standen bei Frauen muskuloskelettale Beschwerden im Vordergrund (Männer: 68 Prozent). Der Anteil im stationären Bereich beträgt nur 38 Prozent (Männer: 35 Prozent).

Während Männer häufiger wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in stationärer Reha sind, erhalten Frauen öfter stationäre Leistungen aufgrund von Krebserkrankungen und psychischen Leiden.

Erwartungsgemäß werden mit steigendem Alter immer mehr Reha-Maßnahmen in Anspruch genommen. Besonders ausgeprägt ist dieser Anstieg bei Muskel-, Skelett- und Bindegewebs-Erkrankungen ab dem 40. Lebensjahr. Bei Frauen lässt sich über die Jahre ein noch deutlicherer Sprung als bei Männern feststellen.

Zwischen den Geschlechtern gibt es beim Reha-Alter kaum Unterschiede: Frauen in einer Rehamaßnahme waren durchschnittlich 53 Jahre alt, Männer im Schnitt 52,7 Jahre.

Nach vier Monaten habe sich eine Rehamaßnahme (mittlere Kosten: rund 4530 Euro) im Durchschnitt amortisiert, rechnen die Autoren vor, wenn der Patient anschließend wieder in das Arbeitsleben einsteigt. Eine Aufschlüsselung der Reha-Indikationen nach einzelnen Berufsgruppen liefert die DRV in dem Bericht jedoch nicht.

Mängel bei Psycho-Reha

Besser könnten die Rehamaßnahmen von Patienten mit psychischen Krankheiten sein: In etwa jedem sechsten Fall gab es Mängel bei der psychosomatischen Reha und bei der Entwöhnungsrehabilitation, so der "Peer Review Psychosomatik und Sucht 2017".

Verbesserungswürdig seien vor allem die Aspekte "Reha-Ziele, -Verlauf und Ergebnis" sowie "Sozialmedizinische Leistungsbeurteilung und Epikrise.

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