Ärzte Zeitung, 14.12.2016
 

Blick in den Gulli

Abwässer zeigen Drogentrends

Europaweit nimmt der Drogenkonsum zu. Woher Forscher das Wissen? Aus einer Abwasseranalyse von mehr als 50 Städten.

Abwässer zeigen Drogentrends

Aus dem Abwasser können Wissenschaftler ablesen, welche Drogen gerade im Trend sind.

© tuachanwatthana/ iStock/ Thinkstock

LISSABON. Das Psychostimulans Metamphetamin, bisher traditionell in Tschechien und der Slowakei in geringen Mengen konsumiert, breitet sich in Europa aus.

Das zeigt die am Dienstag von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) vorgestellte Abwasseranalyse von mehr als 50 europäischen Städten.

Demnach ließen sich jetzt erstmals in ostdeutschen und vor allem finnischen Städten durch menschliche Urinausscheidungen bedingte Metamphetamin-Rückstände in den Abwässern nachweisen.

Messung von Biomarkern

Die Analyse entstand laut EMCDDA in Zusammenarbeit mit der Sewage Analysis CORe group Europe (SCORE), einem pan-europäischen, interdisziplinären Netzwerk, das sich dem quantitativen Messen von menschlichen Biomarkern in Abwässern verschrieben hat, um die Komplexe Lebensstil, Gesundheit und Schadstoffexposition auf kommunaler Ebene zu evaluieren.

Untersucht worden seien die Abwasserproben neben Metamphetamin auch auf die ebenfalls illegalen Suchtmittel Kokain, Amphetamine und Methylendioxy-N-Methalamphetamin (MDMA, "Ecstasy").

Die in Abwässern nachgewiesenen Kokainspuren deuteten darauf hin, dass der Konsum dieser Droge europaweit im Westen – hier vor allem in Belgien, den Niederlanden und Großbritannien – und im Süden – explizit wird Spanien genannt – am höchsten sei.

Kokain wird am Wochenende konsumiert

In osteuropäischen Abwässern seien nur vernachlässigbar geringe Kokainkonzentrationen nachgewiesen worden, hieß es. Amphetamine würden vor allem in Nordeuropa konsumiert. Zu MDMA liegen keine geographischen Konzentrationen vor.

Bei der Betrachtung des Kokain- und Ecstasy-Konsums nach Wochentagen zeigte sich, dass Metamphetamine eher unter der Woche konsumiert werden, wohingegen die Nachweismengen von Kokain und Ecstasy am Wochenende stiegen. (maw)

18 Länder in Europa umfasste die Abwasseranalyse im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Abwässer von rund 25 Millionen Menschen wurden dabei analysiert, heißt es.

[14.12.2016, 09:03:22]
Wolfgang Ebinger 
Ja – und was jetzt?
Ist es nicht bezeichnend, liebe Ärztezeitungslesergemeinde, dass gerade im „reichen Europa“ der Drogenkonsum zunimmt? Weshalb versuchen gerade hier die Menschen der paradiesischen (zugegeben, mit gewissen Einschränkungen) Realität für ein paar lausige Augenblicke zu entfliehen, Tendenz steigend? Gibt es denn nicht wenigstens hier in Europa größtenteils genug Grund, um dankbar und zufrieden zu sein?
Man könnte argumentieren, dass „man es tut, weil man es kann“. In anderen Erdteilen gibt es möglicherweise weder das Geld noch die Drogen, die man damit kaufen könnte. Vielleicht wurden aber auch die Abwässer anderer Kontinente zum relativen Vergleich noch nicht ausreichend untersucht. Es könnte doch sein, dass außerhalb Europas der Drogenkonsum, bzw. die Steigerung des Drogenkonsums, wesentlich höher ist.
Stimmt, aber das beantwortet noch nicht den Kern unserer Frage.
Der Wohlstand nimmt zu und der Drogenkonsum auch – das ist das Problem, dem wir uns stellen müssen. Weshalb können das Geld und die Annehmlichkeiten uns nicht so tiefgreifend zufrieden stellen, dass wir die Flucht aus der Realität gar nicht erst in Betracht ziehen?
Die Antwort liegt in der münchhausenschen Binsenweisheit, dass sich niemand am eigenen Schopf selbst aus dem Sumpf ziehen kann. Im übertragenen Sinn bedeutet das: echte Zufriedenheit und dauerhafte Ruhe im Herzen wird es mit den Dingen und Erlebnissen innerhalb unserer wahrnehmbaren Welt nicht geben – noch nicht einmal mit Drogen. Es muss uns „von außen“ geschenkt werden.
Zur Weihnachtszeit könnte das für jeden einzelnen bedeuten, sich einmal etwas intensiver mit der wahren Bedeutung des weltweit ersten „Krippenkindes“ zu beschäftigen. Nach Lehre der Bibel war er Gottes Sohn und kam „von außen“ zu uns. Und bereits Aurelius Augustinus schreibt in seinen „Bekenntnissen“: Unser Herz ist ruhelos, bis es ruht, o Gott, in dir.
Dem Feldherrn Napoleon wird das Zitat zugeschrieben: „Die Leute glauben alles, es dar nur nicht in der Bibel stehen!“ Das mag vielleicht besonders für Europa gelten.
Vielleicht eignet sich aber die Weihnachtszeit am besten dazu, einmal etwas intensiver darüber nachzudenken, wohin unser Griff geht, dem „Alltagssumpf“ zu entfliehen. Man kann hilflose Drogen nehmen, die es im Sumpf reichlich gibt – oder man sucht die Hilfe „von außen“. Wohl jedem, der diesen Glaubensschritt wagt! Das prominenteste Krippenkind der Weltgeschichte kann hier den entscheidenden Hinweis geben.
In diesem Sinne: frohe Vorweihnachtszeit!
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »