Ärzte Zeitung online, 12.02.2019

Nationale Reduktionsstrategie

Kein süßer Auftakt für Klöckner

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft übt sich in Verzicht. Sie sagt die Teilnahme an der Auftaktsitzung des Begleitgremiums zur Nationalen Reduktionsstrategie ab. Ernährungsministerin Klöckner hält indes an ihrem Fahrplan fest.

Von Matthias Wallenfels

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Noch immer zu viel Zucker? Für die Deutsche Diabetes Gesellschaft ist das Tempo der Reduktionsstrategie zu langsam.

© Tycson1 - stock.adobe.com

BERLIN. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat die Einladung zur Teilnahme an der Auftaktsitzung des Begleitgremiums zur Nationalen Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz am Dienstag ausgeschlagen.

„In seiner jetzigen Form hat die Wissenschaft in dem Gremium praktisch keinen Einfluss auf die Formulierung konkreter Reduktionsziele“, monierte Präsident Professor Dirk Müller-Wieland. Bisher blieben diese weit hinter den Forderungen der Forscher zurück.

Der deutsche Sonderweg, eine Reduktion nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, müsse bereits jetzt als gescheitert angesehen werden, ließ die DDG am Dienstag kurz vor Beginn der Auftaktsitzung des Begleitgremiums verlauten.

Mit dem Hinweis, die Diabetologen seien aber weiterhin zu einem konstruktiven Dialog mit dem Ernährungsministerium bereit, beispielsweise über eine für alle Bevölkerungsgruppen verständliche Lebensmittelkennzeichnung oder den Schutz von Kindern vor Werbung für ungesunde Produkte.

„Wir erwarten, dass hier der Schutz der Gesundheit Vorrang hat vor den wirtschaftlichen Interessen der Lebensmittelindustrie“, verdeutlichte DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Keine neuen Beschlüsse

Wie die „Ärzte Zeitung“ aus Teilnehmerkreisen erfuhr, hat das Begleitgremium – ihm gehören Vertreter von Verbänden aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Lebensmittelwirtschaft, Verbraucherschutz und Wissenschaft ebenso an wie Vertreter von Bundes- und Landesministerien, aber auch der AOK-Bundesverband – am Dienstag keine über die bisher bereits kommunizierten Ziele in puncto Reduktion der Fett-, Zucker- und Salzgehalt in Fertigprodukten bis 2025 hinausgehenden Beschlüsse gefasst.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) will die Ziele durch die im Herbst am Runden Tisch eingegangene Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie erreichen.

Kalorienbilanz zählt

Gegenwind bekam Klöckner auch von Seiten der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ). „Zucker zu reduzieren ohne gleichzeitig auch die Kalorien deutlich zu senken, hilft bei Übergewicht nicht weiter. Denn nur die Kalorienbilanz zählt, wenn wir das Thema wirklich anpacken wollen – wer mehr isst, als er verbraucht, nimmt zu.

Deshalb ist es klarer Fokus der Reduktionsstrategie, die Energiezufuhr der Bevölkerung zu senken. Das Begleitgremium muss dafür sorgen, dass dieses Ziel nun auch in die Praxis umgesetzt wird“, positionierte sich WVZ-Hauptgeschäftsführer Günter Tissen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband stärkte indes Klöckner den Rücken: Transparenz müsse beim Reduktionsprozess im Mittelpunkt stehen, das sei Sache des Begleitgremiums.

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