Ärzte Zeitung online, 29.11.2018

Ausbildungs-Reform

Psychotherapeuten wehren sich gegen Kritik

Mit der anstehenden Ausbildungsreform entsteht kein „neuartiges Versorgungssystem“, stellt die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung klar. Damit reagiert sie auf Kritik der Fachärzte.

Psychotherapeuten wehren sich gegen Kritik

Klinischer Psychologe Light? Der Streit um die Ausbildungsreform schwelt weiter.

© pressmaster / stock.adobe.com

BERLIN. Die Psychotherapeuten rufen zur Mäßigung in der Debatte um die Ausbildungsreform der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auf. Bei der Reform gehe es weder um eine „Strukturreform des deutschen Gesundheitssystems“, noch um ein „neuartiges psychologisches Versorgungssystem“, stellt die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) klar.

Ganz im Gegenteil werde das Studium „sehr viel präziser auf die Ausübung des psychotherapeutischen Heilberufs“ zugeschnitten sein als heute, so die DPtV weiter. Außerdem rückt an die Stelle der heutigen postgradualen Ausbildung eine Weiterbildung analog der Facharztweiterbildung bei den Medizinern. Von einem geringeren Ausbildungsniveau könne also keine Rede sein.

Auf Kosten der Arzttöpfe?

Neu entfacht hatte die Debatte der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). In einer Mitteilung monierte der Verband Ende vergangener Woche, dass der Gesetzgeber noch im Dezember einen Referentenentwurf vorgelegen wolle, über den in zwei Stufen ein Psychologe unterhalb des Niveaus eines heutigen klinischen Psychologen ausgebildet und approbiert werden solle (wir berichteten). Gleichzeitig warnte der Facharzt-Verband, dass künftig die niedergelassenen Haus- und Fachärzte über die Morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) die Weiterbildung dieses neuen Versorgungssektors mittragen müssten.

Für die ambulante Versorgung ändere sich nichts, wendet nun die DPtV ein. Nach Abschluss der Weiterbildung sei eine Kassenzulassung – so wie heute – nur nach den Vorgaben der ärztlichen Zulassungsverordnung möglich.

„Leider wird den Befürwortern der Reform immer wieder aggressive Haltung gegenüber der Ärzteschaft unterstellt und diese mit falschen Behauptungen ‚untermauert‘“, bedauert die DPtV-Bundesvorsitzende Barbara Lubisch. Die DPtV würde sich aber nicht nur bei der Reform der Ausbildung, sondern auch der Frage der Finanzierung tatsächlich den vom SpiFa eingeforderten Dialog wünschen.

Förderung ähnlich der Hausärzte

Richtig ist, dass die Finanzierung der neuen Weiterbildung gelöst werden muss. Derzeit sind laut Deutscher Psychotherapeuten Vereinigung die Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) nicht sozialversichert und sie haben auch keinen Anspruch auf Vergütung. Zusätzlich müssten sie für einen Teil der Ausbildungskosten wie Theorieseminare oder Supervision selbst aufkommen.

Der Betrieb der Ausbildungsambulanz und die geringe Honorierung der PiA würden im Moment durch die Vergütung der Ausbildungstherapien getragen. Das Blatt würde sich mit der Weiterbildung wenden. Im Gespräch ist eine Förderung ähnlich der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin nach Paragraf 75a SGB V. Hier teilen sich Kassen und KV die Finanzierungsförderung.

Zurzeit beteiligten sich die Psychotherapeuten auch an den Kosten für die ambulante Weiterbildung der Haus- und Fachärzte, stellt die DPtV klar. „So abwegig erscheint es deshalb nicht, eine Finanzierung der Weiterbildung analog diesem Modell nach Paragraf 75a Sozialgesetzbuch V ins Spiel zu bringen“, sagt Lubisch.

Lubisch weiter: „Lieber wäre es uns, wenn die Vergütung der Behandlungsleistungen so ausgelegt ist, dass damit die Kosten der ambulanten Weiterbildung gedeckt werden. Eigentlich sollte dieses Thema gemeinsam von allen niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten angegangen werden, gerne auch mit dem SpiFa.“ (reh)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Sorge vor Parallelstruktur

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[29.11.2018, 14:02:52]
Gerhard Leinz 
Seifenblasenkrieg
Die Diskussion um den Studiengang Psychotherapie stiftet nichts als Unfrieden zwischen fachärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten.. Sie lenkt davon ab, dass kurzfristige Verbesserungen Notwendig und möglich sind.Für die neuen Aufgaben Psychotherapeutische Sprechstunde (Welches Psychotherapieverfahren passt für welchen Patienten ?) und die Akuttherapie sind Psychologische Psychotherapeuten (zur Zeit) nicht wirklich ausgebildet. Die Ausbildung ist zielgerichtet ausschließlich auf die Durchführung der antragspflichtigen Therapie. Was hilft bald? Die Einbindung der Psychologischen Psychotherapeuten in Ausbildung und in die Verantwortung (auch mit Verordnung von Medikamenten !)in der Psychiatrie mit Assistenzarztwürdiger Bezahlung unter Ober (Fachärztlicher Aufsicht/ Supervision). Und der gemeinsame "Sturm" der Fachärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten gegen das klammheimliche Etablieren einer "breiteren" Sparversorgung Psychisch Kranker mit Hausarzt + Online Betreuung im Sinne einer (AB!) gestuften Versorgung. Da liegt die Hauptgefahr! zum Beitrag »
[29.11.2018, 13:47:08]
Dr. Heiner Heister 
Die Finanzierung des gesamten Psychotherapeutenausbildungsreformgesetzes (PsychThGAusbRefG) ist ungeklärt.
Immerhin bestätigt Frau Lubisch das für den Teil der Weiterbildung.
Den "psychotherapeutischen Heilberuf", von dem sie spricht, gibt es nicht.
Selbst, wenn die Psychologische Psychotherapie die Kinder- u. Jugendlichenpsychotherapie vereinnahmt, wird die heilkundliche Psychotherapie immer noch von den Grundprofessionen Medizin und Psychologie ausgeübt.
Pauschales Bestreiten hilft im Übrigen nicht weiter.
Der SpiFa hat gute Argumente für seine Positionierung.
Nicht zuletzt ist die Aussage von Herrn Spies, die KBV könne die Ärzte in dieser Angelegenheit nicht vertreten, weil sie auch die Nicht-Ärzte in ihren Reihen vertreten müsse, zu unterstreichen.
Es mag genügen darauf zu verweisen, dass der Deutsche Ärztetag das PsychThGAusbRefG mehrfach schon abelehnt hat, gerade dieses Jahr mit zwei einstimmigen Beschlüssen.
Es geht gewiss nicht nur ums Geld, wie Herr van den Bergh es scheinbar insinuiert, es geht in der Tat um die Struktur des Gesundheitssystems und die Qualität der Versorgung zum Beitrag »

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