Ärzte Zeitung, 27.01.2017

Interview

Prozess der Behandlung ist klar koordiniert

Vier Augen sehen mehr als zwei, ist Internist und Nephrologe Dr. JörgDetlev Lippert im Gespräch überzeugt.

Prozess der Behandlung ist klar koordiniert

Der Internist und Nephrologe Dr. Jörg-Detlev Lippert aus Köthen ist Vorsitzender des Vereins der niedergelassenen Nephrologen Sachsen-Anhalt

© J. Schlüter / AOK Sachsen-Anhalt

Ärzte Zeitung: Warum ist die Zusammenarbeit von Haus- und Facharzt insbesondere bei der Versorgung von Patienten mit chronischem Nierenleiden wichtig?

Dr. Jörg-Detlev Lippert:Die chronische Niereninsuffizienz ist ein komplexes Krankheitsbild. Die Medizin hat sich hier – wie bei anderen chronischen Erkrankungen – ständig weiterentwickelt. Der Hausarzt kann – quasi als Allrounder in Sachen Medizin – nicht alle neuen Facetten dieses Krankheitsbildes kennen. Der Nephrologe muss es. Je früher er also in die Behandlung eingreift, umso besser. Umgekehrt kann der Hausarzt am besten Risikopatienten identifizieren und diese dann an eine nephrologische Facharztpraxis überweisen. Er kennt die Vorgeschichte des Patienten – seine Grunderkrankungen, seine Medikation. Beide – Haus- und Facharzt – sind zusammen erfolgreicher, wenn es darum geht, die chronische Niereninsuffizienz in einem Stadium zu halten, in der noch keine Dialyse nötig ist.

Ärzte Zeitung: Wo sehen Sie Pluspunkte der Zusammenarbeit für den Patienten?

Lippert: Klarer Pluspunkt für die Patienten:Sie kommen in den Genuss einer kontinuierlichen Betreuung durch Haus- und Facharzt. Vier Augen sehen mehr als zwei. Mitunter gelingt es sogar, Patienten zur Transplantation zu bringen, ohne dass vorher eine Dialyse nötig ist. Das ist dann möglich, wenn ein Verwandter oder ein Ehepaar Ehepartner eine Niere spenden kann.

Ärzte Zeitung: Das Versorgungsprogramm in Sachsen-Anhalt als Blaupause für andere Länder?

Lippert: Mit Sicherheit. Wir brauchen gerade bei chronischen Erkrankungen die Zusammenarbeit von Allgemeinarzt und Spezialist. In Sachsen-Anhalt profitieren – neben den Patienten – beide Seiten davon. Zwar sind deutlich mehr Ärzte an der Behandlung von Nierenpatienten als in anderen Bundesländern beteiligt, aber die Behandlung wird durch den gemeinsamen Vertrag klar koordiniert und gesteuert. Der Hausarzt kümmert sich um die Kontrolle zwischendurch, die genaue Untersuchung und Begutachtung – vor allem der schwierigen Fälle – übernimmt der Nephrologe. (hom)

Lesen Sie dazu auch:
Dialysepatienten: Vier-Augen-Prinzip schützt die Nieren

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