Ärzte Zeitung, 30.10.2012

Nichtraucherschutz

"Schlupflöcher bringen Menschen in die Notaufnahme"

Gesetze zum Nichtraucherschutz sind vielerorts umstritten. Aber sie wirken, zeigen jetzt erneut zwei Studien. Die Zahl der Aufenthalte in Kliniken sinkt deutlich - wenn nicht die Schlupflöcher wären.

Mit Nichtraucherschutz-Gesetzen weniger stationäre Therapien

Rauchverbot - reduziert die Zahl der Klinikeinweisungen nach Herzinfarkt und Schlaganfall.

© dpa

NEW YORK (dpa). Gesetze zum Schutz von Nichtrauchern führen einer Studie zufolge schon kurz nach Inkrafttreten dazu, dass im Geltungsbereich deutlich weniger Menschen im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Setzt ein Land umfassende Rauchverbote für Arbeitsräume, Restaurants und Bars durch, werden dort bis zu einem Viertel weniger Menschen wegen Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenkrankheiten in Kliniken gebracht, wie das Team um den Kardiologen Professor Stanton Glantz von der US-amerikanischen Universität von Kalifornien in San Francisco erläuterte.

Für die im Fachmagazin "Circulation" der American Heart Association veröffentlichte Untersuchung analysierten die Wissenschaftler 33 Gesetze und Bestimmungen in mehreren Ländern der Erde, darunter Deutschland und den USA.

Demnach sank in den untersuchten Ländern die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzinfarkten durchschnittlich um 15 Prozent, bei Schlaganfällen waren es 16 Prozent und bei Lungenkrankheiten sogar 24 Prozent. Je umfangreicher der Nichtraucherschutz, desto besser war das Ergebnis.

"Die Gesundheitsbehörden und Experten müssen verstehen, dass Ausnahmen und Schlupflöcher in der Gesetzgebung - wie zum Beispiel für Kasinos - mehr Menschen in die Notaufnahmen bringen", sagte Glantz laut einer Mitteilung der American Heart Association.

Der Fachgesellschaft zufolge hatten auch vorherige Forschungsergebnisse bereits die Wirksamkeit von Nichtraucherschutzgesetzen erwiesen.

Eine weitere US-Studie, die sich nur auf einen Bezirk im Bundesstaat Michigan konzentrierte, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

18 Monate nachdem ein umfassendes Nichtraucherschutzgesetz in dem Bezirk Olmsted County erlassen worden war, seien rund ein Drittel weniger Menschen mit Herzinfarkten ins Krankenhaus gebracht worden.

Die Wissenschaftler um Dr. Richard Hurt von der Mayo Clinic in Rochester (US-Bundesstaat Minnesota) veröffentlichten ihre Ergebnisse in den "Archives of Internal Medicine".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Bekommen Kinder O-Beine durch Sport?

Zu O-Beinen neigen offenbar viele Kinder, die bestimmte Sportarten betreiben. Dabei wirkt die einseitige Druckbelastung im Knie als Wachstumsbremse, vermuten Forscher. mehr »

Neue Leitlinie zum Kopfschmerz durch Schmerzmittel-Übergebrauch

Schmerzmittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und chronifizieren - wenn man sie zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert einnimmt. Eine neue Leitlinie zeigt auf, wie Ärzte solchen Patienten helfen können. mehr »

Nicht nur zu viel LDL-C ist schädlich

Atherosklerose entsteht offenbar nicht nur, wenn zu viel LDL-Cholesterin im Blut zirkuliert. Der Aufbau der Partikel scheint ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen – und hier lässt sich therapeutisch eingreifen, wie Wissenschaftler zeigen. mehr »