Ärzte Zeitung, 18.04.2017

Aktuelle Auswertung

Jeder zehnte GKV-Euro wird für Typ-2-Diabetiker aufgewendet

Wissenschaftler haben die Versorgungskosten von Typ-2-Diabetes errechnet – mehr als 16 Milliarden Euro im Jahr 2010. Die Zahl dürfte überholt sein, denn jedes Jahr kommen eine halbe Million Neuerkrankte hinzu.

Von Florian Staeck

Jeder zehnte GKV-Euro wird für Typ-2-Diabetiker aufgewendet

Die Behandlung von Typ-2-Diabetikern verursacht Ausgaben der gesetzlichen Kassen in Höhe von jährlich rund 16,1 Milliarden Euro, wie aus einer Studie hervorgeht.

© Miriam Dörr / Fotolia

DÜSSELDORF. Jeder zehnte Euro in der GKV wird für die Behandlung von Diabetes-Patienten ausgegeben. Das hat eine Forschergruppe um PD Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) in Düsseldorf ermittelt. Sie hat dazu eine repräsentative Stichprobe von 4,3 Millionen GKV-Versicherten untersucht. Die alters- und geschlechtsspezifischen Kosten pro Kopf wurden für die Jahre 2009 und 2010 bei Versicherten mit Typ-2-Diabetes und Versicherten ohne diese Erkrankung analysiert.

In die Untersuchung flossen Leistungsausgaben für Ärzte, Zahnärzte, Arzneimittel, Krankenhäuser, Krankengeld sowie Aufwendungen beispielsweise für Heil- und Hilfsmittel ein. Verwendet haben die Forscher bundesweite Routineversorgungsdaten aus der GKV, die vom Deutschen Institut für Dokumentation und Information (DIMDI) zur Verfügung gestellt wurden. Damit habe man das Problem der regional unterschiedlichen Prävalenzen von Typ-2-Diabetes in Deutschland verringern können. Die Diabetiker in der Stichprobe waren im Durchschnitt 67 (Männer) und 71 Jahre (Frauen) alt.

Ihre Behandlung verursacht Ausgaben der gesetzlichen Kassen in Höhe von jährlich rund 16,1 Milliarden Euro, geht aus der Studie hervor, die jüngst in "Diabetic Medicine" erschienen ist (E. Jakobs et al.: Healthcare costs of Type 2 Diabetes in Germany, DOI: 10.1111/dme.13336). Allein in den beiden untersuchten Jahren erhöhen sich die Pro-Kopf-Kosten für die Versorgung der Diabetiker von 4947 (2009) auf 5146 Euro (2010). Damit waren die Gesamtkosten im Vergleich zu Versicherten ohne Diabetes um das 2,6-fache erhöht. Werden die Kosten im Hinblick auf Alter und Geschlecht standardisiert, liegen sie immer noch um das 1,7-fache über den Kosten bei Versicherten ohne Diabetes.

Die größten Kostenunterschiede hätten sich bei Arzneimittel- und Krankenhauskosten gezeigt, erklärt Dr. Wolfgang Rathmann, stellvertretender Direktor des Instituts für Biometrie und Epidemiologie am DDZ. Bei Versicherten mit Typ-2-Diabetes waren sie für Arzneimittel um den Faktor 2,2 höher, bei Krankenhauskosten um das 1,8-fache höher als bei Versicherten ohne Diabetes.

Die drei mit Abstand größten Kostenposten waren – bezogen auf das Jahr 2010 – die Krankenhausbehandlung (1986 Euro), Medikamente (1285 Euro) und Ärzte (786 Euro). Erstaunt zeigen sich die Autoren, dass keine Unterschiede bei den Zahnbehandlungskosten bei Diabetikern und Nicht-Diabetikern erkennbar waren. Parodontitis gilt als eine häufige Folgeerkrankung von Diabetes. Grund könnte eine zu geringe Beachtung dieser Komorbidität bei behandelnden Ärzten und Patienten sein, vermuten die Autoren.

Die in der Studie errechneten Kosten für die Versorgung der Typ-2-Diabetiker in den Jahren 2009 und 2010 dürften mittlerweile deutlich höher liegen. Nach Angaben von Forschern des Versorgungsatlas‘ hat sich die Prävalenz seitdem deutlich erhöht. Der Versorgungsatlas ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI).

Der Anteil der Betroffenen stieg demnach von 8,9 Prozent der gesetzlich Versicherten im Jahr 2009 auf 9,8 Prozent (2015), heißt es in einer im Februar erschienenen Studie. Jedes Jahr kämen bundesweit 500.000 Menschen hinzu, die erstmals an Typ-2-Diabetes erkranken. Besonders augenfällig machen die Daten des Versorgungsatlas‘ die starken regionalen Unterschiede in der Prävalenz. In Ostdeutschland lag die durchschnittliche Prävalenz für Typ-2-Diabetes 2015 bei 11,6 Prozent, in den alten Ländern waren es 8,9 Prozent.

[19.04.2017, 10:48:44]
Karl-Otmar Stenger 
Einnahmeseite stärken
Auch wenn Volker Kauder es bisher geschafft hat, dass Zigarettenwerbung nicht verboten wurde, weil er der Auffassung ist, dass das Verbot einem Dammbruch gleichkäme; denn die Besteuerung von Zucker und Getränken mit Zuckerzusätzen steht an. Der nächste Schritt wäre dann auch höhere Abgaben für Bier und alkoholische Getränke ( was unbedingt sinnvoll zur Bekämpfung der Fettleber-Epidemie wäre ). Da der Konsum der genannten Nahrungsmittel das Diabetes-Risiko wesentlich beeinflusst, wäre es logisch, die Ausgaben für die Behandlung von Diabetes, Fettleber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen an die Einnahmen aus dem Verkauf dieser Nahrungsmittel zu koppeln. zum Beitrag »

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