Ärzte Zeitung, 15.04.2019

NAMSE

Hörbare Watsche

Ein Kommentar von Anno Fricke

anno.fricke

Schreiben Sie dem Autor anno.fricke@springer.com

Das ist eine hörbare Watsche. Die Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung empfehlen dem Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit seltenen Erkrankungen (NAMSE) nicht weniger, als ihren zwischen 2010 und 2013 formulierten Aktionsplan mit Arbeitsplänen und Zielvorgaben zu operationalisieren.

Mit anderen Worten: Der Plan ist in den Augen der System- und Innovationsforscher aus Karlsruhe eher eine Stoffsammlung, so unkonkret formuliert, dass sich daraus in sechs Jahren Laufzeit nur wenig Handlungsschub entwickeln konnte.

Kaum verhohlen ist auch die Analyse der wissenschaftlichen Begleiter, dass dieses Vorgehen wohl dem üblichen Muster der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen folge: Aus Sicht der Innovationsforschung sei es spannend zu beobachten, wie am Beispiel der seltenen Erkrankungen die Stärken und Schwächen des Gesundheitssystems wie unter einem Brennglas in besonderer Weise erkennbar würden.

Das ist schon peinlich. Die Versäumnisse liegen in der Startphase des Bündnisses. Die Verzögerungen müssen kranke Menschen heute ertragen. Die aktuellen Akteure hätten die Möglichkeiten, dem Aktionsplan ein zeitgemäßes Update zu verpassen. Wenn sie denn wollen.

Lesen Sie dazu auch:
Menschen mit seltenen Erkrankungen: Aktionsplan wird ausgebremst

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Warum haben immer mehr junge Menschen Darmkrebs?

In Deutschland steigt die Darmkrebshäufigkeit bei unter 50-Jährigen. Vermutungen gibt es, woran's liegt. Forscher suchen nach Risikofaktoren, um vorzubeugen. mehr »

Familienchaos befeuert kindliches Asthma

Depressionen, Streit und Chaos innerhalb der Familie lassen die Symptome asthmakranker Kinder eskalieren und mindern die Chancen für eine bedarfsgerechte Versorgung. Eine Studie hat die Zusammenhänge genauer erforscht. mehr »

Nur Amyloid geben – Das ist wohl zu kurz gedacht

Jahrelang stand Beta-Amyloid im Fokus von neuen Alzheimer-Therapien – bislang ohne Erfolg. Offenbar wurden andere Faktoren unterschätzt, vermutet Professorin Agnes Flöel von der Universitätsmedizin Greifswald. mehr »