Ärzte Zeitung, 12.09.2012

Kommentar

Chance auf mehr Honorar verpasst?

Von Rebekka Höhl

Es wäre für Ärzte eine gute Möglichkeit gewesen, Umsatzlücken aus dem Regelleistungsvolumen (RLV) aufzufüllen. Denn seitdem der Bewertungsausschuss die Besuchsziffern aufgewertet hat, bringen sie den Praxen nicht nur mehr Geld. Sie werden auch außerhalb der RLV vergütet. Aber die Ausweitung bei der Menge erbrachter Besuchsleistungen hat de facto nicht stattgefunden.

Dummheit der Ärzte, weil sie hier Honorarpotenzial verschenken? Wohl kaum! Zum einen zeigen gerade die aktuellen Proteste gegen die geplante 0,9-ProzentHonorarsteigerung, dass den Praxen teilweise einfach die finanziellen und damit personellen Mittel für mehr Leistungen fehlen. Und die Besuche erfordern ja neben der Vorbereitung in der Praxis auch noch An- und Abreise des Arztes.

Zum anderen haben die Ärzte sehr schnell realisieren müssen, dass die so schön präsentierte Aufwertung der Besuchsleistung nicht mehr ist, als ein Verteilen ihrer Mittel von der linken in die rechte Tasche. Denn, die Besuche bleiben Teil der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV).

Weiten die Ärzte ihre Besuche aus, schaden sie sich dadurch an anderer Stelle. Es sinken dann die RLV-Fallwerte. Dies mussten die Ärzte im dritten Quartal 2011 vielerorts schmerzlich lernen, als die KVen für den Vorwegabzug der Ziffern zum Teil die Fallwerte herunterschraubten.

Wenn es also nun nicht zur Quotierung der Besuchsleistungen kommt, dann zeigt das eher die Resignation der Ärzte vor einem Honorarsystem der begrenzten Mittel - und vielleicht auch einen sehr leisen Protest.

Lesen Sie dazu auch:
Neue HVM: Keine Gefahr für Hausbesuche

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