Ärzte Zeitung online, 17.10.2017
 

GOÄ-Novelle

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. Für neue Leistungen soll auch in Zukunft die Analogabrechnung möglich sein, hieß es beim Tag der Privatmedizin.

Von Marco Hübner

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Gibt es eine GOÄ-Position für das neue Verfahren? Wenn nicht, dürfen Ärzte Analogziffern nutzen.

© Stephan Thomaier

FRANKFURT/MAIN. Die privaten Krankenversicherer wollen auch in der novellierten Fassung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) die Möglichkeit der Analogabrechung beibehalten. "Das wesentliche Merkmal der heutigen GOÄ ist ihre Innovationsoffenheit, und die wollen wir auch in Zukunft erhalten", stellte Dr. Timm Genett, Geschäftsführer im Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), am Samstag beim Tag der Privatmedizin in Frankfurt am Main klar.

Die Möglichkeit, neue Behandlungsmethoden nach GOÄ analog abzurechnen, habe in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Innovationen in der Privatmedizin teils zehn bis zwölf Jahre früher eingesetzt werden konnten als im System der GKV. Dort definiert der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die Leistungen, die Ärzte später nach EBM abrechnen können. Neue Methoden können in der ambulanten Regelversorgung also erst genutzt werden, wenn sie den GBA passiert haben. Nach GOÄ können Ärzte hingegen analog eine gleichwertige Ziffer für die neue Methode nutzen, um mit dem medizinischen Fortschritt auf Augenhöhe zu bleiben.

Momentan grassiert unter Ärzten jedoch die Befürchtung, dass die für die neue GOÄ vorgesehene Gemeinsame Kommission (GeKo) die bisherige Innovationsoffenheit abwürgen könnte. "Die GeKo ist eine Bedrohung für den privat abrechnenden Arzt", kritisierte auch Dr. Günter Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, in einer Diskussion über Perspektiven der Privatmedizin nach der Bundestagswahl beim Tag der Privatmedizin. Diese Institution werde in Anlehnung an den GBA in der GKV gestrickt.

Nach Willen des Gesetzgebers soll die aus Ärzten und Vertretern der Versicherungswirtschaft zusammengesetzte GeKo für neue innovative Leistungen in möglichst kurzer Zeit neue GOÄ-Positionen schaffen. Das soll dem Modernisierungsstau der alten Gebührenordnung, die zuletzt 1996 in Teilen aktualisiert wurde, vorbeugen. Das könne Jonitz zufolge aber dazu führen, dass Versicherer erst dann erstatten, wenn die GeKo final über die Leistung entschieden hat. "So eine GKV-Denke gehört nicht in die neue GOÄ", betonte Jonitz.

"Die GeKo ist nicht der GBA", hielt Genett dagegen. Ziel sei nicht, ein bürokratisches Verfahren der Zulassung und Genehmigung von neuen Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen, das dann die Erstattungsfähigkeit richte. Maßgeblich dafür sei der Vertrag, den der PKV-Patient mit seiner Versicherung geschlossen habe und der sich normalerweise an den Spielregeln der GOÄ ausrichte. Nach diesen Spielregeln sei zum jetzigen Stand auch in der novellierten GOÄ die Analogabrechnung möglich.

Genett stellt allerdings auch klar, dass die Analogabrechnung mit der neuen GOÄ nur noch selten nötig sei, da sie den aktuellen Stand der Medizin abbilden werde. "Analogien sollen kein Dauerzustand mehr sein. Die GeKo soll zügig Ziffern schaffen und Streit zwischen Ärzten, Patienten und Versicherungsunternehmen zur Arztrechnung vorbeugen", erklärte Genett. Die Entscheidung über die Therapieauswahl liege weiter zwischen Arzt und Patient.

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