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Künstliche Intelligenz

Algorithmen werden die Pathologen nicht ersetzen

Ersetzen Algorithmen über kurz oder lang die Pathologen? Nein, meint deren Bundesverband. Die Zukunft gehöre vielmehr „hybriden“ Pathologen, die sich in der Versorgung an zentraler Stelle als „Diagnoseflüsterer“ positionieren.

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Zellkulturen in einem Labor in der Pathologie. Übernehmen in Zukunft immer häufiger Maschinen mit selbstlernenden Algorithmen dann die Auswertung?

Zellkulturen in einem Labor in der Pathologie. Übernehmen in Zukunft immer häufiger Maschinen mit selbstlernenden Algorithmen dann die Auswertung?

© Britta Pedersen / dpa

BERLIN. Wie verändert das Machine Learning die Medizin? Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen, doch fast alle sind sich einig, dass selbstlernende Algorithmen zumindest in den diagnostischen Fächern, speziell der Radiologie und Pathologie, auf breiter Front Einzug halten werden.

„Im ersten Schritt reden wir sicher zunächst einmal über eine Effizienzsteigerung“, sagte Professor Frederick Klauschen vom Institut für Pathologie der Charité Berlin bei einer Veranstaltung des Bundesverbands Deutscher Pathologen (BDP) in Berlin.

Der vor allem im Bereich Onkologie aktive Klauschen, der nicht nur Arzt, sondern auch Diplomphysiker ist, sieht gute Chancen, dass Algorithmen den Pathologen schon relativ kurzfristig einige eher „lästige“ Tätigkeiten wie das Auszählen von Zellkernen abnehmen. Dadurch werde die pathologische Diagnostik beschleunigt, und der Pathologe gewinne mehr Zeit für jene schwierigen Fragestellungen, für die Menschen auch in Zukunft oft besser geeignet sein dürften als Maschinen.

Klauschen, der im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Berliner Zentrums für Maschinelles Lernen zu Künstlicher Intelligenz in der Pathologie forscht, sieht aber nicht nur einen quantitativen, sondern durchaus auch einen qualitativen Nutzen selbstlernender Algorithmen. So könnte möglicherweise die Suche nach Biomarkern für die Immunonkologie von der Künstlichen Intelligenz profitieren. Denn hier mehrten sich die Anzeichen dafür, dass komplexe Biomarkermuster besser als einzelne Biomarker geeignet seien, Therapieansprechen vorherzusagen. Und genau das, die Erkennung von Mustern, gehört zu den großen Stärken selbstlernender Algorithmen.

Die Frage ist, wie es das Berufsbild Pathologen verändert, wenn immer mehr ursprünglich ärztliche Tätigkeiten auf Maschinen verlagert werden können. Schafft sich die Pathologie durch Forschung im Bereich Maschinenlernen selbst ab?

BDP-Präsident Professor Karl-Friedrich Bürrig vom Institut für Pathologie Hildesheim hält diese These für abwegig: „Daten brauchen Interpretation. Eine Künstliche Intelligenz allein wird keine Diagnosen stellen. Diagnosen stellen bedeutet Hantieren mit Wahrscheinlichkeiten, und das möchte ich nicht einer Maschine überlassen.“

Dass sich das Berufsbild des Pathologen verändern wird, davon ist der BDP-Präsident allerdings überzeugt: „Meine Zukunftsvision ist der hybride Pathologe, der unter Nutzung aller digitaler Methoden als Diagnoseflüsterer agiert.“ Künstliche Intelligenz Algorithmen werden bei dieser Vision zu einer Art Assistenzsystem eines breit aufgestellten Diagnose-Spezialisten. Als Vertreter eines Querschnittsfachs seien Pathologen besser als andere geeignet, die Rolle eines solchen Informationsmanagers zu übernehmen, so Bürrig. Inwieweit sich dadurch die Gewichtung der diagnostischen Fächer verschiebe oder sich neue Anforderungen an die Ausbildung stellten, sei noch Zukunftsmusik: „Mittelfristig werden die Disziplinen voraussichtlich enger zusammenrücken.“

Klar entgegen tritt der BDP allen Zentralisierungstendenzen in der Pathologie. Eine zweite Labormedizin soll die Pathologie auch dann nicht werden, wenn das gewebediagnostische Tagesgeschäft durch Maschinenlernalgorithmen wesentlich effizienter werden sollte. Bürrig verwies in diesem Zusammenhang auf die Tumorboards, die, wie die gesamte onkologische Versorgung, in Deutschland dezentral organisiert seien, wovon die Patienten enorm profitierten. Die Pathologen aus dieser dezentralen, interdisziplinären Versorgungswelt, in der sich die Akteure gegenseitig kennen und vertrauen, herauszunehmen, hält der BDP-Präsident für kontraproduktiv. Ziel müsse es vielmehr sein, die Möglichkeiten der Digitalisierung dazu zu nutzen, funktionsfähige, dezentrale Dateninfrastrukturen aufzubauen. (gvg)

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