Ärzte Zeitung online, 14.09.2017

Digitalisierung

Das Vertrauen der Patienten fehlt

Der Datenschutz ist kein stichhaltiges Argument gegen die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Vorbehalte der Patienten gegen eine Datensammlung über ihre Köpfe hinweg, wiegen da schon stärker.

Von Christoph Winnat

Vertrauen fehlt

Wer ist der Herr der Daten? Patientenvertreter pochen auf dem Recht der informationellen Selbstbestimmung.

© Bacho Foto /stock.adobe.com

FRANKFURT/MAIN. Warum kommt die Digitalisierung im hiesigen Gesundheitswesen nicht voran? An mangelndem Datenschutz kann es nicht liegen, ist der Münchener Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Rehmann überzeugt. "Das rechtliche Instrumentarium zum Schutz der Patientendaten ist vorhanden", sagte Rehmann bei einem Vortrag zur Jahrestagung der Netzwerkinitiative "House of Pharma" Anfang September in Frankfurt.

Die ärztliche Schweigepflicht im Strafrecht, das Einwilligungserforderniss zur Weitergabe von Behandlungsdaten im Sozialgesetzbuch V sowie schließlich die drakonischen Bußgeld- und Strafvorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes bilden Rehmann zufolge ein starkes Bollwerk gegen Datenmissbrauch.

Das eigentliche Problem bestehe vielmehr in Vorbehalten auf Patientenseite "gegen die Datensammlung bei Versicherungen oder die Datenweitergabe an Dienstleister". Um E-Health-Anwendungen voranzubringen, sei deshalb nicht nur über Vergütungsfragen, sondern auch darüber zu sprechen, wie das Vertrauen der Patienten in eine Datenverarbeitung gefördert werden kann, aus der ihnen keine Nachteile entstehen.

Wo bleibt die Transparenz?

Eine Minimalforderung, das machte in der Diskussion Hannelore Loskill, Bundesvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe deutlich, dürfte der Zugang zu den gespeicherten Daten darstellen. Davon würde nicht zuletzt auch die Datenauswertung zugunsten des medizinischen Fortschritts profitieren.

Loskill: "Solange die Patienten nicht die Möglichkeit haben, alleine zuhause nachzusehen, was da für Daten drauf sind" – etwa auf der Gesundheitskarte oder in einer elektronischen Patientenakte – "sind wir weit entfernt von Datentransfers zugunsten Dritter".

Wie zur Bestätigung berichtet Chris-Gilbert König, geschäftsführender Gesellschafter des Potsdamer IT-Unternehmens Healthcare X.0, dass rund 20 Prozent der Nutzer der E-Akte "PatientAssist" ihre Gesundheitsdaten zu Forschungszwecken freischalten.

Für den Anfang – die App ist erst seit zweieinhalb Monaten am Markt – sei das relativ viel, versichert König. Insgesamt verzeichne "PatientAssist" aktuell um die 10.000 Nutzer, von denen man in einer ersten Analyse 80 Prozent als wiederkehrende Nutzer identifiziert habe. Die Datenpflege liege ausschließlich in den Händen der Patienten, die ihren Ärzten aber Zugriffsrechte auf die Akte erteilen können.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchesters bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »