Ärzte Zeitung, 05.12.2011

E-Card: Das Ticket in die Wolke

Cloud Computing macht auch vor dem Gesundheitssektor nicht Halt. Im Gegenteil: Die neuen technischen Möglichkeiten könnten die Medizin weiter voranbringen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Unter Technikfreaks und Gadget-Jüngern ist Cloud-Computing derzeit der letzte Schrei. Auch im Gesundheitswesen kann "die Wolke" viele IT-Anwendungen vereinfachen. Datenschutzfragen beantworten sich dadurch aber auch nicht von selbst.

Für Nicht-Insider: "Cloud-Computing" ist keine neue Technologie. Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass immer mehr Software-Dienstleistungen nicht am eigenen Rechner laufen, sondern - Online-Anschluss vorausgesetzt - irgendwo in vernetzten Rechenzentren.

Komplizierte Anwendungen mit zahlreichen Teilnehmern werden dadurch sehr viel leichter administrierbar. Insgesamt gelten Cloud-Szenarien auch als relativ kostengünstig.

Bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Gesundheitswesen, die das Unternehmen Microsoft im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Chancenrepublik Deutschland" ausgerichtet hat, brachte Hugo Thiel von der Comparex AG ein relativ simples Beispiel für eine medizinische Cloud-Anwendung, das "Kuschelblick TV" am St. Georg-Klinikum Leipzig.

Familienbindung in der Cloud

Es ermöglicht den Eltern von Frühchen, mit ihrem Kind rund um die Uhr über eine im Brutkasten installierte Web-Kamera in Interaktion zu treten. Die frühe Familienbindung werde dadurch deutlich gestärkt, so Thiel.

Auch Microsoft setzt darauf, dass Cloud-Anwendungen das Gesundheitswesen in den nächsten Jahren deutlich verändern werden. Das Unternehmen stellt dafür seine Softwareplattform "HealthVault" (in Deutschland "Assignio") zur Verfügung, die es Partnern ermöglicht, medizinische Anwendungen in einer sicheren Umgebung zu entwickeln.

Die Vision sei ein Gesundheitswesen, in dem Patienten in bestimmten Situationen oder auch grundsätzlich ihre medizinischen Daten selbst verwalten, sagte Severin Löffler, Mitglied der Geschäftsführung bei Microsoft.

Deutlich wurde in der Diskussion aber auch, dass sich Datenschutzfragen im Gesundheitswesen nicht dadurch von selbst lösen, dass jetzt von "Clouds" statt "Servern" gesprochen wird.

Gehört die E-Card der Vergangenheit an?

Zwar sagte der E-Health-Experte Roland Trill von der Fachhochschule Flensburg, dass er sich manchmal frage, ob die elektronische Gesundheitskarte (eGK) durch die aufkommenden Cloud-Szenarien nicht letztlich obsolet werde.

Mehrheitlich herrschte auf dem Podium und auch im Publikum in Berlin aber die Auffassung, dass medizinische Cloud-Anwendungen ohne eine sichere Identifizierung der Nutzer, wie sie die eGK bietet, auf Dauer nicht denkbar seien.

Edgar Franke, Berichterstatter für Telematik im Gesundheitswesen der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, nutzte die Veranstaltung deswegen zu einem Appell an die Selbstverwaltung.

"Die Zukunft des Gesundheitswesens ist digital. Wir müssen die Telematikinfrastruktur jetzt schnell weiter ausbauen, sonst werden wir abgehängt", redete er dem Auditorium ins Gewissen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »