Ärzte Zeitung online, 05.06.2019

Junge Ärzte

Klara studiert Medizin in Kaunas und „liebt das kalte Wetter hier“

Aus Baden-Württemberg nach Litauen: Klara Möllmann zog es zum Medizinstudium in den Nordosten Europas. Ihr gefällt der dort praktizierte schnelle Kontakt zu Patienten.

Von Pete Smith

106a0701_8405259-A.jpg

Klara Möllmann liebt das kalte Wetter in Kaunas – selbst in den Sommermonaten liegt die Durchschnittstemperatur nur knapp unter 20Grad. In diesen Tagen sind allerdings auch in der Stadt an der Memel bis zu 30 Grad vorhergesagt.

© Klara Möllmann

KAUNAS. Wer ein Medizinstudium im Ausland erwägt, denkt spontan an Wien, Budapest oder Prag. Klara Möllmann hat es nach Kaunas verschlagen. Kaunas? „Wenn ich das Freunden in Deutschland erzähle, wissen sie nicht viel damit anzufangen“, erzählt die 20-jährige Studentin aus Lauda-Königshofen, einer kleinen Gemeinde nahe Tauberbischofsheim. Dabei ist Kaunas mit gut 300.000 Einwohnern die nach Vilnius zweitgrößte Stadt Litauens.

Klara Möllmann ist vor zwei Jahren hierher gezogen, um an der Lithuanian University of Health Sciences Medizin zu studieren. In der künftigen Kulturhauptstadt Europas (2022) fühlt sie sich pudelwohl. „Ich bin so froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe“, sagt die angehende Ärztin. „Das Studium hier gefällt mir unheimlich gut.“

Plan A, räumt Klara Möllmann ein, sei ein Medizinstudium in Deutschland gewesen, doch dieser Plan sei am Numerus clausus gescheitert. Da sie nicht Jahre auf einen Studienplatz warten wollte, lag die Entscheidung für ein Auslandsstudium nahe, wobei sie zunächst Zagreb und Kaunas in die engere Wahl nahm.

Viel Zeit blieb ihr damals nicht. Schon zwei Wochen nach ihrem Abitur musste sie zur Aufnahmeprüfung antreten. In der wurde vor allem Wissen aus naturwissenschaftlichen Fächern abgefragt, was für Klara Möllmann kein Problem darstellte, hatte sie doch sowohl Biologie als auch Chemie im Abitur.

Da die Unterrichtssprache an der Universität Kaunas Englisch ist, musste sie überdies noch den „Test of English as a Foreign Language“ (TOEFL) absolvieren, den sie ebenso bestand.

Litauen Platz 3 bei Studenten

Knapp 150.000 Bundesbürger studieren derzeit im Ausland, zwei Drittel von ihnen an einer Hochschule innerhalb der Europäischen Union. Laut Statistischem Bundesamt ist unter deutschen Nachwuchsärzten derzeit ein Medizinstudium in Ungarn und Tschechien am beliebtesten, dicht gefolgt von – Litauen. Tatsächlich sind 53 Prozent aller deutschen Studenten in Litauen in einem Studiengang der Fächergruppe „Gesundheit und Sozialwesen“ eingeschrieben.

„In unserem Jahrgang gibt es 180 Studenten, davon sind etwa 25 bis 30 Deutsche“, bestätigt Klara Möllmann die Zahlen der Erhebung. Am Studium gefällt ihr vor allem die Praxisnähe. „Bereits ab dem dritten Semester hat man Kontakt zu Patienten.“ Auch wenn in Englisch unterrichtet wird, steht die heimische Sprache doch ebenfalls auf dem Stundenplan.

„Litauisch ist eine der ältesten Sprachen der Welt“, erklärt die angehende Ärztin, „und eine der schwierigsten“. Inzwischen hat sie sich die Sprache jedoch so weit angeeignet, dass sie sich mit ihren Patienten etwas unterhalten kann. „Anders wäre es auch nicht möglich.“

Der Aufbau des Studiums an der Universität Kaunas komme ihr entgegen, sagt Klara Möllmann. Im Unterschied zum deutschen Medizinstudium wird nicht am Ende des Semesters geprüft, sondern alle zwei Monate. „Das bedeutet zwar permanenten Stress, aber dann kann man die Unterrichtseinheit abschließen und zur nächsten übergehen.“

Die 20-Jährige lernt in einer kleinen Gruppe mit neun Kommilitonen. Das erleichtere es ihr ungemein, den umfangreichen Stoff zu bewältigen. Jeweils für zwei Monate gibt es ein Schwerpunktthema.

Wenn es beispielsweise um Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht, dann sehen die Studenten in dieser Zeit ausschließlich Patienten mit entsprechenden Erkrankungen. Jede Woche bespricht man gemeinsam einen neuen Fall. Die Dozenten seien alle sehr aufgeschlossen und zugewandt.

Zwei Monate Schwerpunktthema

Für das Bachelor-Master-Studium an der Lithuanian University of Health Sciences in Kaunas zahlt man pro Semester eine Studiengebühr von rund 5000 Euro. Dafür sind die Lebenshaltungskosten in Litauen deutlich geringer als in Deutschland.

Den Master-Abschluss erreicht man in der Regel innerhalb von zwölf Semestern. Da Litauen in der EU ist, steht einer Anerkennung des Abschlusses sowie einer Approbation in Deutschland nichts im Wege.

Litauen, sagt Klara Möllmann, sei ein Land im Umbruch. Daran teilzuhaben, gefalle ihr besonders. „Die junge Generation ist sehr weltoffen und interessiert an anderen Kulturen und Menschen aus dem Ausland.“ Was ihr am besten gefällt? „Ich liebe das kalte Wetter hier!“

Vater praktiziert als Hausarzt

Allerdings vermisst sie von Zeit zu Zeit ihre Familie. Zwei Monate im Sommer sowie einige Wochen über Weihnachten und Ostern weilt sie daheim in der tauberfränkischen Provinz. Ein Segen, dass es Facetime gibt, sodass sie regelmäßig mit ihrer Familie videotelefonieren kann.

Bei dieser Gelegenheit kann Klara Möllmann dann auch mit ihrem Vater fachsimpeln, der in Lauda-Königshofen als Hausarzt praktiziert. „Was ihn total erstaunt, ist, wie schnell wir Kontakt zu Patienten bekommen“, erzählt sie. Ob sie später einmal als Hausärztin in seine Fußstapfen tritt, weiß die 20-jährige Medizinstudentin noch nicht.

„Ich habe das Gefühl, es kommt noch so viel auf mich zu, da will ich mich nicht so schnell festlegen. Ich bin für alles offen.“

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Erstmals Ausbruch von Typ-1-Diabetes verzögert

Forschern ist es gelungen, den Ausbruch von Typ-1-Diabetes deutlich zu verzögern – und zwar bei Hochrisikopersonen. Dies eröffnet Chancen auf präventive Therapien. mehr »

Bluthochdruck schon bei Sechsjährigen

Übergewicht schlägt offenbar schon bei Vorschulkindern auf die Gesundheit. Vier- bis Sechsjährige, die dick oder fettleibig sind, haben ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, offenbart eine spanische Studie. mehr »

Entwurf mit analogen Krücken?

Kassen, Verbände, aber auch die Industrie schreiben Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch einiges ins Aufgabenheft bei seinem E-Health-Gesetz II. Das spiegelt sich in den Stellungnahmen zur Verbändeanhörung wider. mehr »