Ärzte Zeitung online, 03.11.2016
 

Flüchtlingsversorgung

Ärzte haben entschieden geholfen

Dr. Jonas Hofmann-Eifler ist stolz auf seine Arztkollegen: Sie hätten entschieden mit angepackt und in der Flüchtlingskrise Verantwortung übernommen, schreibt er im Blog.

Ärzte haben entschieden geholfen

Ärzte haben viel zur Flüchtlingsversorgung beigetragen.

© Boris Roessler / dpa / picture alliance

Als ich vor kurzem den Gottesdienst zum Tag des Flüchtlings in Freiburg besuchte, sah ich die Fernsehbilder vom Herbst 2015 wieder vor mir: Züge voller Flüchtlinge, die zu Tausenden täglich zum Beispiel in München voller Hoffnungen ankamen.

Arbeitsbelastung und Stress

Dr. Jonas Hofmann-Eifler

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© Fotostudio Stock-Müller

Dr. Jonas Hofmann-Eifler, 30 Jahre alt, befindet sich im vierten Jahr der Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin und arbeitet derzeit in einer Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie in Emmendingen bei Freiburg.

Vorher war er Assistenzarzt in der Inneren Medizin des Ortenau Klinikums Offenburg und in der Endokrinologie/Diabetologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Wie hat sich die medizinische Versorgung der hilfsbedürftigen Menschen, die alles verloren haben, bei uns in den letzten zwölf Monaten entwickelt?

In der Akutphase im Herbst/Winter 2015 stellte die große Zahl der Flüchtlinge für viele Gemeinden und Erstaufnahmestellen eine nicht enden wollende Herausforderung dar. Mittlerweile scheint die medizinische Versorgung vielerorts gut organisiert zu sein.

Dies liegt vor allem an der entschiedenen Solidarität zahlreicher ehrenamtlich Aktiver und Hausärzte, die trotz voller Praxen viele Flüchtlinge ihrer Region täglich mitversorgen. Auch die Kinderärzte leisten einen enormen Beitrag.

Die Abrechnungsmodalitäten werden mit der Zeit immer besser, sie erfolgen zumeist über die Sozialämter der Kreise. Dies musste sich erst einmal einspielen.

Alles ist natürlich mit wesentlich mehr Arbeitsbelastung und Stress verknüpft, vor allem was die Anamneseerhebung durch die vorhandene Sprachbarriere betrifft. Aber diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Es sind in der Mehrzahl Menschen, die vor Krieg und Hunger geflohen sind.

Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet – darunter auch wir Ärzte – wird das unser Land bunter machen.

Brauchen bessere Strukturen

Vor Ort haben sich in den letzten zwölf Monaten viele gemeinnützige Initiativen gegründet, nicht nur medizinische, um Geflüchteten Hilfe zu leisten. An dieser Stelle sei zum Beispiel die Organisation Refudocs erwähnt, die auch in Freiburg erfolgreich aktiv ist und sich die medizinische Versorgungsunterstützung von Flüchtlingen auf die Fahnen geschrieben hat.

Auch das zeichnet den interessanten Job des Hausarztes aus, dass er als eine der Schlüsselfiguren unserer Gesellschaft in besonderen politischen Situationen wie der aktuellen mit Verantwortung übernehmen kann.

Für die reibungslosere medizinische Versorgung der Flüchtlinge brauchen wir Hausärzte dafür aber derzeit noch bessere Strukturen von der Politik zur Seite gestellt.

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