Direkt zum Inhaltsbereich

Asylbewerber

Wie steht es wirklich um die Flüchtlingsversorgung?

Für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe verläuft die Flüchtlingsversorgung bisher in geordneten Bahnen. Das steht allerdings im Kontrast zu zahlreichen Berichten von Ärzten und Psychotherapeuten.

Veröffentlicht:
Flüchtlingsversorgung: Eine Ärztin impft einen Jungen aus Syrien.

Flüchtlingsversorgung: Eine Ärztin impft einen Jungen aus Syrien.

© Kay Nietfeld / dpa

BERLIN. Nach Auffassung des Bundesgesundheitsministeriums war die medizinische Versorgung der nach Deutschland eingereisten Asylbewerber zu jedem Zeitpunkt gewährleistet – auch dank des "enormen Engagements der zahlreichen Helfer".

Das berichtete Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Mittwoch im Bundeskabinett. Es gebe keine Hinweise auf Engpässe. Das sei auch Folge der Neuregelungen, die 2015 in Kraft getreten sind.

Alle Asylbewerber durchlaufen nach dem Bericht Gröhes in den Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften die vorgesehenen Erstaufnahmeuntersuchungen. Die ärztliche Untersuchung habe vor allem übertragbare Krankheiten und Erkrankungen der Atmungsorgane im Blick. Da die Zahl der Asylsuchenden stark zurückgegangen ist, seien inzwischen normale Arbeitsabläufe die Regel.

Asylbewerber nehmen Impfangebot an

Asylbewerber können alle Schutzimpfungen erhalten, die in Deutschland vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlen werden. Auf den Internetseiten des RKI sind Aufklärungsmaterialien zu einzelnen Impfungen in 20 Sprachen verfügbar.

Derzeit gebe es in Deutschland ausreichende Impfstoffmengen. Die Asylbewerber nehmen dem Bericht zufolge das Impfangebot gut an. Der gebotene Impfschutz werde durchgängig erreicht. Das RKI habe bestätigt, dass von den Asylbewerbern keine erhöhte Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung ausgeht.

Das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz erleichtere es den Ländern, eine Gesundheitskarte an Asylbewerber auszugeben. Acht Bundesländer hätten bisher von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Ärzte und Psychotherapeute berichten von Verständigungsproblemen

Ärzte, Psychotherapeuten und psychosoziale Einrichtungen können mittlerweile traumatisierte Flüchtlinge kontinuierlich behandeln. Das sei wichtig, um Versorgungsbrüche zu vermeiden. Im Zuge des Asylverfahrensbeschleunigungsgesetzes wurde die Zulassungsverordnung für Vertragsärzte entsprechend geändert.

Eine aktuelle Abfrage habe ergeben, dass die besseren Behandlungsmöglichkeiten genutzt werden. Zudem unterstützt die Bundesregierung psychosoziale Zentren und Projekte finanziell. Wie viele Flüchtlinge an einer akut behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung leiden, lasse sich derzeit nicht beziffern.

Dies steht im Kontrast zu zahlreichen Berichten von Ärzten und Psychotherapeuten über die erheblichen Verständigungsprobleme bei der Versorgung insbesondere traumatisierter Flüchtlinge. Danach fehlt es sowohl zahlenmäßig an Dolmetschern als auch an einer gesicherten Finanzierung.

Das Gesundheitsministerium richtet das Internetportal "Migration und Gesundheit" ein. Dort werden Informationen verschiedener Anbieter zentral gebündelt. Dieser erste Schritt soll Ende 2016 erfolgen. Nach und nach wird die Webseite dann ergänzt und weiter ausgebaut. (HL)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

© Springer Medizin Verlag GmbH

Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Empfehlungen für die Therapie

So holen Sie Ihre Patienten aus der Post-Stroke-Depression

Lesetipps
Viele Gespräche, sich viel Zeit nehmen – das setzt eine Suizidassistenz voraus.

© Lumos sp / stock.adobe.com

Begleitetes Sterben

Suizidassistenz gewinnt Bedeutung in deutschen Hausarztpraxen