Ärzte Zeitung, 21.06.2010
 

Umfrage: Investitionsstau an Kliniken wächst

BERLIN (ava). Der Investitionsstau in öffentlichen Krankenhäusern wird weiter zunehmen. Das geht aus einer EMNID-Umfrage unter 100 öffentlichen Krankenhäusern hervor, die der Medizintechnik-Branchenverband Spectaris in Auftrag gegeben hat.

Den Investitionsstau beziffert Spectaris schon heute mit etwa 50 Milliarden Euro, die Hälfte davon entfällt auf den Bereich Medizintechnik. Die Aussagen der Klinik-Entscheider lassen hier keine Verbesserung erkennen. Der Umfrage zufolge erwarten 59 Prozent der Befragten, dass sich die Situation verschärfen wird.

Als Folge davon gehen die Krankenhäuser der Studie zufolge vor allem von einer stärkeren Belastung der Mitarbeiter und eine längere Behandlungsdauer der Patienten aus. Außerdem könnten die Patienten nicht mit den neuesten Methoden behandelt werden.
Den größten Nachholbedarf für eine moderne medizintechnische Ausstattung sehen die Befragten in der Chirurgie (56 Prozent), der Inneren Medizin (51 Prozent) und in der Radiologie (50 Prozent).

Als Konsequenz zeichnen die Krankenhaus-Manager, die einen steigenden Investitionsstau erwarten, ein düsteres Bild: 81 Prozent dieser Befragten sehen eine größere Belastung der Mitarbeiter. 65 Prozent der Krankenhäuser können ihren Patienten nicht die neuesten Behandlungsmethoden anbieten. In jedem zweiten Krankenhaus verlängerten sich somit außerdem die Behandlungsdauer der Patienten und als Folge auch der Aufenthalt im Krankenhaus (34 Prozent).

"Dieser Entwicklung muss dringend entgegen gesteuert werden", so Spectaris-Geschäftsführer Sven Behrens und fordert eine differenzierte Analyse bei Investitionen in moderne Medizintechnik. Mit neuen Diagnose-, Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten seien Effizienzsteigerungen verbunden, die hohes Einsparpotenzial böten. "Das betrifft etwa kürzere Operations- und Liegezeiten, die Reduzierung von Personal- und Materialkosten oder die Vermeidung von oftmals teuren Nachbehandlungen", unterstrich Sven Behrens.

Nur der Anschaffungspreis eines Produktes alleine erlaube keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit einer Investition. Daher sei eine investitionsfreundliche Krankenhausfinanzierung genauso notwendig wie eine entsprechende Erstattung innovativer Medizintechnik über die Fallpauschalen der Krankenhäuser.

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