Ärzte Zeitung online, 29.04.2014

Marburg

Zukunft der Partikeltherapie bald geklärt?

Seit bald drei Jahren ist die Partikeltherapie-Anlage in Marburg fertig gestellt - noch konnte aber kein Arzt oder Patient die Geräte nutzen. Das Land Hessen bereitet derzeit eine Klage gegen die Rhön-Klinikum AG vor. Rhön seinerseits verhandelt mit allen Beteiligten über eine Lösung. Kurz vor Toresschluss kommt Bewegung in die Diskussion.

MARBURG/NEU-ISENBURG. Für die Partikeltherapie in Marburg zeichnet sich wohlmöglich eine Lösung ab. Laut Medienberichten vom Wochenende plant die Rhön-Klinikum AG, die Eigentümerin der Uniklinik Marburg/Gießen ist, eine gemeinsame Gesellschaft mit dem Heidelberger Uniklinikum einzugehen.

Damit könnte der Betrieb der Anlage in Marburg aufgenommen werden.

Am Uniklinikum in Heidelberg steht bereits eine ähnliche Anlage. Mit im Boot soll auch die Siemens AG sein, die die Partikelanlage in Marburg gebaut hat.

Das Land Hessen hat den Beteiligten eine Frist bis zum 30. April gesetzt, bis eine Einigung vorliegen muss. Liege bis dahin keine verbindliche Auskunft vor, wolle das Land rechtliche Schritte gegen Rhön prüfen. Das Land Hessen hatte die Partikeltherapie in Marburg in erheblichem Ausmaß finanziell unterstützt.

Informationen auf Bilanzpressekonferenz

Derzeit werden "intensive, konstruktive Gespräche" geführt, heißt es bei der Rhön-Klinikum AG auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Konkretere Informationen gebe es am Mittwoch, dann wolle sich das Unternehmen im Rahmen der Bilanzpressekonferenz zur Zukunft der Partikeltherapie in Marburg äußern.

Zu den derzeitigen Medienberichten wollte sich der Konzernsprecher nicht äußeren. Es sei aber richtig, dass es "viel Bewegung hinter den Kulissen" gebe.

Auf Bewegung bei einer Einigung zur Partikeltherapie wartet auch das Land Hessen. "Primäres Ziel der Landesregierung ist und bleibt die Inbetriebnahme der Partikeltherapieanlage zum Wohle der krebskranken Patienten und zur Stärkung des universitätsmedizinischen Lehr- und Forschungsstandortes Gießen und Marburg", heißt es in einer Stellungnahme des hessischen Wissenschaftsministeriums.

Das Land, das laut dem Rhön-Konzernsprecher über die Verhandlungen stets "aktiv informiert" werde, sei inzwischen zum Schluss gekommen, dass "die Verhandlungspartner in Kürze eine Entscheidung treffen könnten."

Weitere Anschubfinanzierung?

Ob Hessen die neue Gesellschaft erneut mit einer Anschubfinanzierung unterstützt, könne derzeit nicht bewertet werden, so ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Medien hatten berichtet, das Land könne möglicherweise erneut finanziell einspringen.

Erst nachdem eine verbindliche Einigung zwischen den Projektpartnern vorliege, könne das Land die Vereinbarung bewerten. Auf Grundlage dieser Bewertung werde das Land entscheiden, ob die Klage gegen Rhön zurück gezogen werde. Danach entscheide die Landesregierung über weitere Schritte, so der Ministeriumssprecher. (bee)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »