Ärzte Zeitung online, 08.11.2017
 

Ökonomisierung

Blick aufs Positive versperrt

Kommentar von Christian beneker

Manche Studien wirken wie ein umgekipptes Tintenglas. Ruckzuck ist das ganze Blatt geschwärzt, dann das daneben und am Schluss läuft die Tinte über den halben Schreibtisch. So ähnlich ist es mit der Studie über die Ökonomisierung der Krankenhausmedizin, die die beiden Professoren Heinz Naegler und Karl Heinz Wehkamp vorgelegt haben.

Wie da offenbar in manchem Krankenhaus die wirtschaftlichen Kriterien vor die medizinische gesetzt werden – da wird einem leicht tintenschwarz vor Augen. Dass die Krankenhausgesellschaft aufheulen würde, war klar. Am Tag, nachdem die Studie vorgestellt wurde, kritisierte sie vor allem die Autoren, nicht ihre Ergebnisse. Die Studie sei nicht repräsentativ. Naegler und Wehkamp hätten Aufmerksamkeit um jeden Preis gewollt, verbreitete die DKG. Da regiert der Zorn.

Dabei haben die Autoren kein Tintenglas umgestürzt. So viel ist klar. Aber die Krankenhausmedizin hat ein Problem. Die Autoren haben Klinikgeschäftsführer und -ärzte aufgesucht und sie danach gefragt, wie sie dieses Problem erleben. Die Antworten sind ernst zu nehmen.

Es gibt Häuser, in denen der Spagat zwischen Geld und Genesung gut gelingt. Statt zu schimpfen, könnte man auch an solchen Best-Practice-Beispielen anknüpfen.

Lesen Sie dazu auch:
Studie: Monetik statt Ethik? Klinikärzte berichten von Extremen

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[08.11.2017, 19:52:34]
Dr.med. Wolfgang Meyer 
Die Situation ist mehr als ernst!
Die Wortwahl "Statt zu schimpfen ..." wird der Bedeutung und dem Sinn der Studie im Kommentar nicht gerecht. Es wird nicht geschimpft, sondern es wurde interviewt und die qualitativen Inhalte werden wiedergegeben. Wer als Arzt im System Krankenhaus mehr als 25 Jahre tätig war, weiß, daß sich hier Veränderungen ergeben haben, die mit Ethik und Moral, vor allem aber mit Menschlichkeit und Empathie in einem deutlichen Konflikt liegen. Das hat nichts mit Schwärze, Tintenfass und Anschwärzen zu tun. Es ist alltägliche Realität in unseren Kliniken geworden. Sorgfaltspflichtverletzungen werden nicht sanktioniert sondern kühl kalkuliert. Es wird Zeit für einen Aufschrei
aus der bisher stumm leidenden Gruppe der Ärzteschaft, die das nicht länger will. Sonst wird aus Komplizenschaft Mittäterschaft! zum Beitrag »

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