Ärzte Zeitung online, 12.12.2018

Klinikqualität

„Das ist es, was wir erreichen wollten“

Das IQTiG hat Qualitätsindikatoren in 1084 Kliniken ausgewertet – und kommt zu einem zufriedenen Fazit. Kliniken, die schlecht wegkommen, müssen noch keine Strafen befürchten. Doch wie hart sollen zukünftige Sanktionen sein?

Von Ilse Schlingensiepen

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Operateure bei der Arbeit. Die Behandlungsqualität in Kliniken hat sich laut Messergebnissen des IQTiG im laufenden Jahr verbessert.

© Kzenon / Fotolia

DÜSSELDORF. Die Messung der Behandlungsqualität in Kliniken durch Qualitätsindikatoren zeigt offenbar Wirkung. Nach Angaben von Dr. Christof Veit, Leiter des für die Festlegung und Auswertung der Indikatoren zuständigen Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG), haben sich die Ergebnisse im laufenden Jahr im Vergleich zu denen von 2017 deutlich verändert. „Das ist es, was wir erreichen wollten“, sagte Veit beim Regional-Forum des Bundesverbands Managed Care Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Im vergangenen Jahr sind die Daten von insgesamt 1084 Kliniken anhand von elf Qualitätsindikatoren aus den Bereichen Mamma-Chirurgie, gynäkologische Operationen und Geburtshilfe ausgewertet worden. Die Indikatoren zielten auf Gebiete mit besonderem Handlungsbedarf, erläuterte Veit. „Die Forderungen sind den Kliniken bekannt.“

Information an Behörden

An 71 Standorten hatte das IQTiG nach einem umfassenden Verfahren die Qualität als „unzureichend“ eingestuft. Die betroffenen Kliniken hatten Gelegenheit zur Stellungnahme. Erst danach hat das IQTiG die für die Krankenhausplanung zuständigen Behörden informiert und in einem nächsten Schritt die Öffentlichkeit.

Die Erklärungsversuche mancher Kliniken, dass es sich bei den festgestellten Mängeln um Ausnahmen gehandelt habe, ließ Veit nicht gelten. Schließlich gehe es um die Patientensicherheit. „Die Medizin hat bestimmte Dinge zu 100 Prozent einzuhalten.“ Wenn bei einem Patienten eine Gewebeprobe entnommen werde, müsse sie zwingend an die Pathologie geschickt werden.

Nicht verhandelbare Standards

Die Kliniken müssen nach seiner Ansicht begreifen, dass sie Qualitätsvorgaben wie die Anwesenheit eines Pädiaters bei einer Frühgeburt zwingend einhalten müssen. Wenn sie nach der Feststellung von Mängeln nicht reagieren, müsse etwas passieren. „Wenn der Pädiater bei der Geburt von Frühchen wieder nicht anwesend war, muss man die Reißleine ziehen“, betonte er.

Doch direkte Konsequenzen der Planungsbehörden aus den IQTiG-Auswertungen gebe es bislang nicht. Immer mehr Länder haben automatische Konsequenzen für ihre Krankenhausplanung explizit ausgeschlossen.

Bayern und Nordrhein-Westfalen hätten auffällige Krankenhäuser aber angeschrieben. „Wir wollten uns erklären lassen, woran es liegt“, sagt Helmut Watzlawik, Leiter der Abteilung Gesundheit im NRW-Gesundheitsministerium. Das Land wolle, dass Qualitätskriterien und auch Mindestfallzahlen in den Kliniken umgesetzt werden. Dabei sei es auch wichtig, sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. „Wir werden in letzter Konsequenz auch Kliniken vom Netz nehmen“, stellte Watzlawik klar.

Justiziabel und praktikabel

Bislang können die Qualitätsindikatoren für Interventionen der Aufsicht genutzt werden, für die Krankenhausplanung seien sie nicht geeignet, betonte Veit. „Für die Planung bedarf es noch einer konzeptionellen Erweiterung“, bestätigte Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW.

Wenn die Qualitätskriterien als Grundlage für Eingriffe in die Versorgungslandschaft genommen würden, müssten sie einem hohen Grad an Evidenz genügen, betonte Brink. „Das ist im Sinne der Verhältnismäßigkeit.“ Seine grundsätzliche Forderung: „Qualitätskriterien müssen justiziabel und praktikabel sein.“

Ziel müsse die bessere Behandlung der Patienten sein, sagte Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest. „Bei der qualitätsbasierten Krankenhausplanung gibt es kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Auch er hält eine Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren für notwendig. Bei der Auswahl neuer Indikatoren sollte auch die Leistungsmenge eine Rolle spielen – damit möglichst viele Patienten profitieren“, sagte Ackermann.

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