Ärzte Zeitung, 03.02.2014

Kommentar

Netze im Vertragsstau

Von Hauke Gerlof

Die vom Gesetzgeber beschlossene Netzförderung hat wieder Bewegung in die Szene der Ärztenetze gebracht. Die Anforderungen an die Ärzteverbünde, um zertifiziert werden zu können, sind klar formuliert.

Zu diesen Anforderungen gehört auch eine Professionalisierung der Strukturen über ein eigenes Netzmanagement. Nur: Wer ein solches Management aufbaut, braucht auch Einnahmen, um es zu finanzieren, zum Beispiel über Selektivverträge mit den Krankenkassen.

Genau hier hängen offenbar viele Netze derzeit noch in der Luft. Denn bei den Krankenkassen tut sich derzeit noch wenig - sei es, weil sie Angst vor den Zusatzbeiträgen hatten, sei es, weil sie vom Bundesversicherungsamt ausgebremst wurden.

Der Vertragsstau kann letztlich nur vom Gesetzgeber aufgelöst werden, etwa, indem die Anforderungen an Verträge modifiziert werden. Tatsächlich ist ja von der großen Koalition geplant, dass die Wirtschaftlichkeit von Verträgen erst nach vier Jahren nachzuweisen ist. Im Übrigen: Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit in der Wirtschaft, jede größere Investition eines Unternehmens amortisiert sich in der Regel erst nach einigen Jahren.

Bis die Änderungen umgesetzt sind, wird noch etwas Zeit vergehen. Man darf gespannt sein, ob die Koalitionäre sich selbst beim Wort (des Koalitionsvertrags) nehmen. Für eine funktionierende Versorgung wäre das wichtig. Denn jede Region hat ihre eigenen, spezifischen Probleme - die am besten von den Akteuren vor Ort gelöst werden. Die Rolle der Netze, auf lokaler und regionaler Ebene für eine funktionierende Versorgung zu wirken, wird jedenfalls zunehmend anerkannt. Und das ist gut so.

Lesen Sie dazu auch:
Verbindliche Förderung: Ärztenetze hoffen auf große Koalition

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Infarktgefahr durch schnellen Anstieg von Stickoxiden

Hohe Stickoxidkonzentrationen in der Umgebungsluft können auch das Herzinfarktrisiko erhöhen. Aber auch ein schneller NO-Anstieg scheint gefährlich zu sein. mehr »

Liebe überwindet geistige Behinderung

Eine Anlaufstelle in Mainz kümmert sich, wenn Menschen mit geistiger Behinderung wegen unerfüllter Sehnsucht nach Lust und Liebe das Herz schwer ist. Anfragen kommen aus ganz Deutschland. Trotzdem droht die Schließung. mehr »

Putzen schadet der Lunge ähnlich wie Rauchen

Schlechte Nachrichten für Sauberkeitsfans: Wer regelmäßig Reinigungsmittel benutzt, schadet seiner Lunge so, als ob man jahrelang raucht. Diesen Effekt fanden Forscher aber nur bei Frauen – doch sie haben dafür eine Erklärung. mehr »