Ärzte Zeitung online, 30.01.2017
 

Sektorenübergreifende Versorgung

Datenfluss zwischen Ärztenetz und Klinik

Behandlungsbruch an der Schnittstelle von Klinik und Praxis? Im Nordosten soll das der Vergangenheit angehören – dank spezieller Koordinatoren.

Von Dirk Schnack

Datenfluss zwischen Ärztenetz und Klinik

Eine Kommunikationsplattform soll den Informationsfluss zwischen Klinik und Praxis sicherstellen.

© vege/Fotolia.com

UECKERMÜNDE. Im Nordosten wird die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Praxen intensiviert. Künftig helfen Schnittstellenkoordinatoren den Patienten beim Übergang zwischen ambulantem und stationärem Sektor.

Eine elektronische Kommunikationsplattform soll dabei den behandelnden Ärzten in Klinik und Praxis den Zugriff auf alle erforderlichen Informationen für eine zügige Weiterbehandlung ermöglichen.

Brücke zwischen Praxis und Klinik bauen

Ziel ist es, Brüche an den Schnittstellen zwischen Praxen und Kliniken zu vermeiden. Darauf haben sich das regionale Ärztenetz HaffNet, die Ameos Krankenhausgesellschaft Vorpommern, die AOK Nordost und die KV in einem kürzlich unterzeichneten Vertrag verständigt.

Dem Netz gehören 45 niedergelassene Ärzte an, von denen die Hälfte hausärztlich tätig ist. Die Zusammenarbeit mit Ameos umfasst zwei Häuser der Grund- und Regelversorgung in Anklam und in Ueckermünde.

Das HaffNet bezeichnete die Vereinbarung auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" aber als offen für weitere Partner. Die Asklepios Klinik in Pasewalk etwa ist ein potenzieller Partner, den sich die niedergelassenen Ärzte wünschen – der bislang aber nicht beigetreten ist. Auch weitere Krankenkassen können sich an der Vereinbarung beteiligen.

Zwei beim Ärztenetz angestellte Mitarbeiter übernehmen die Koordination zwischen den Sektoren und sollen den Übergang für die Patienten möglichst reibungsfrei organisieren. So sollen etwa zügige Anschlusstermine gelingen und Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Früher Zugriff auf Entlassbögen

Zusätzlich wird an einer elektronischen Vernetzung gearbeitet, die den beteiligten Praxen frühen Zugriff auf den Entlassbogen der Krankenhäuser ermöglicht. Ziel ist, dass die Informationen schon vor dem ersten Patiententermin nach der Entlassung in der Praxis vorliegen.

Umgekehrt versorgen die einweisenden Ärzte die Kliniken mit allen erforderlichen Informationen über einen Aufnahmebogen, der vergleichbar strukturiert ist.

KV und AOK haben sich auf Gebührenordnungsziffern verständigt, über die die Ärzte den zusätzlichen Aufwand abrechnen können. Mecklenburg-Vorpommerns KV-Chef Axel Rambow hält die Vereinbarung für einen Baustein, mit dem auf die zunehmende Multimorbidität der Patienten bei zugleich drohendem Ärztemangel reagiert werden kann.

Unterschiedliche Meinungen

Während Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) die Vereinbarung als "innovativen Ansatz" bezeichnete und weitere solcher "kreativen und mutigen Denkweisen" für sein Bundesland fordert, hält die Opposition solches Lob für nicht angebracht.

Linken-Gesundheitspolitiker Torsten Koplin sagte: "Die Zusammenarbeit von ambulanten und stationären Medizinern sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Leider ist sie in der Praxis eine Ausnahme." Er forderte landesweite Konzepte, mit denen die wohnortnahe Versorgung gesichert und verkrustete Strukturen überwunden werden können.

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