Ärzte Zeitung, 21.11.2014

Schneller zum Arzt

TK füllt Ärzten den Terminkalender

Die geplanten Termin-Servicestellen sind Ärzten ein Dorn im Auge. Jetzt geht die Techniker Krankenkasse mit einem eigenen Vorschlag voran, der Patienten schneller einen Termin vermitteln soll. Für Ärzte bietet die Kasse Sonderkonditionen an.

Von Anno Fricke

TK füllt Ärzten den Terminkalender

Bei der Terminvergabe mischt die Techniker Krankenkasse künftig mit einem eigenen Modell mit.

© RioPatuca Images / fotolia.com

BERLIN. Plattformen wie "trivago" für Hotelbuchungen oder "billiger-mietwagen" für ein Gefährt im Urlaub sind längst Standard. Sie bündeln Online-Buchungssysteme und schaffen für den Kunden einen einzigen Zugang, wo er sich vorher durch zahlreiche Internet-Seiten klicken musste.

Ein damit vergleichbares System baut seit wenigen Wochen die Techniker-Krankenkasse (TK) für die Online-Terminbuchung in Arztpraxen auf. Ärzte mit einer Online-Terminbuchung sollen unabhängig von der von ihnen verwendeten Buchungssoftware an einer zentralen Stelle zusammengeführt werden, sagte Klaus Rupp, Leiter des TK-Versorgungsmanagements, am Donnerstag in Berlin.

Zentrale Stelle ist die Internetseite der TK (TK-ArztterminOnline). Erste Erfahrungen hat die Kasse in Berlin mit 92 teilnehmenden Ärzten gesammelt. Nun soll das System sukzessive bundesweit ausgerollt werden. Bislang sind die Portale samedi, doxter und compugroup eingebunden. Terminland und arzttermine.de sollen bald folgen, kündigte Rupp an.

Bis Jahresende könnten etwa 1500 Praxen teilnehmen. Den Durchbruch für das System erwartet Rupp bei etwa 5000 teilnehmenden Ärzten. Seit dem Start verzeichne die TK-Plattform etwa 8000 Besucher im Monat. Aber nur 80 buchten tatsächlich einen Termin, berichtete Rupp.

Angesichts von rund 150.000 Praxen niedergelassener Ärzte in Deutschland ist dies noch verschwindend wenig. Die Kasse setzt daher Anreize, um Ärzte zum Mitmachen zu bewegen. Im ersten Jahr übernehme die TK die Gebühren, die Ärzte bei den Portalen bezahlen müssen, kündigte TK-Chef Jens Baas an. Die Anschubfinanzierung werde auch 2015 noch weiterlaufen.

Nicht kompletter Praxiskalender muss online

Ärzte müssten nicht ihren kompletten Terminkalender online stellen, sagten die TK-Vertreter. Möglich seien auch kleine Varianten von einem Termin pro Tag oder etwa zehn in der Woche.

Das System soll dahin gehend ausgebaut werden, dass Hausärzte darüber für ihre Patienten Zugriff auf Terminkontingente von Fachärzten erhalten sollen. Ein Vorteil für Ärzte könne eine höhere Termintreue sein, da die Patienten kurz vorher noch einmal per E-Mail oder SMS auf den bevorstehenden Termin hingewiesen würden, sagte Rupp.

Patienten kommen möglicherweise schneller zu Facharztterminen. Dafür müssen sie sich aber bei jedem Portal gesondert anmelden, falls der Anbieter das verlangt.

Die TK wird eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr für 50.000 Versicherte Termine per Telefon und E-Mail vermitteln. "Daran sehen wir genau, inwieweit Termine vermittelbar sind", sagte Rupp. In 75 Prozent der Fälle könnten die Vorgaben der Patienten, was Zeit und Entfernung vom Wohnort angehe, gehalten werden.

Die Versicherten hätten auf Termine im Schnitt weniger als vier Wochen warten müssen. Diese Zeitspanne hat der Gesetzgeber im Entwurf des Versorgungsstärkungsgesetzes als Obergrenze vorgegeben. (af)

[24.11.2014, 12:42:19]
Dr. Richard Barabasch 
Wieder so eine Sensationsmeldung ohne Substanz
92 Praxen würden mitmachen - schon ! Wahrscheinlich unter dem Motto "mal probieren". Wieviel werden sich dann schlussendlich "ihre Praxen von der TK füllen lassen" ??
So blöde können doch wirklich nicht mehr als "eine verschwindend kleine Menge" (an Krankenklassenpflichtversicherte betreuende Vetragsarztpraxen) sein, dass sie die bereits unbezahlte Zeit auch noch dafür verwenden, als z.B. Hausarzt in der Praxis via TK-tool auch noch einen Termin beim FA fest zu machen, wenn schon bereits auf der Überweisung per Diagnoseformulierung eine Dringlichkeit avisiert ist! Noch mehr Puder an den Krankenkassenpflichtversicherten-Popo für Umme und als kostenlose Reklame für eine krankeKasse ? Eben: Sensationsmeldung ohne Substanz für eine Sensation - nur Schrott,
meint
R.B. zum Beitrag »
[24.11.2014, 09:45:50]
Dr. Rüdiger Storm 
Kunde statt Patient
"Plattformen wie "trivago" für Hotelbuchungen oder "billiger-mietwagen" für ein Gefährt im Urlaub sind längst Standard. Sie bündeln Online-Buchungssysteme und schaffen für den Kunden einen einzigen Zugang, wo er sich vorher durch zahlreiche Internet-Seiten klicken musste."

Schön, damit hat man den passenden Vergleich gefunden, statt Arzt-Patient nun also ein Kunden-Verkäufer-Verhältnis.

Vermutlich versteht das der der Patient noch gar nicht, was ihm nun droht.
Herzlich willkommen in der Welt des Verkaufs und des totalen Markts.

Medizin 2.0 eben, nur das Geschäft zählt.

Kunden die keinen Umsatz bringen bzw. unrentabel sind werden hinauskomplimentiert. Der Verkäufer arbeitet derweil an seiner neuen Verkaufsoffensive mit ordentlich Marketinggedöns.
Der geschwächte Kunde ist da ein gutes Opfer.

Ich persönlich möchte lieber zum Arzt gehen, als windigen Verkäufern zum Opfer zu fallen und denen dabei auch noch sehr persönliche Dinge anzuvertrauen.
 zum Beitrag »
[24.11.2014, 08:46:16]
Dr. Rainer Michael Stiebing 
Schöne blöd...
dafür, sich in den ohnehin vollen Terminkalender von Fremden noch zusätzliche Termine einbuchen zu lassen, auch noch Geld zu bezahlen. Die Portale verdienen ihr Geld so recht leicht: Sie lassen andere arbeiten - prima Geschäftsmodell.
Im Allgemeinen ist es Patienten auch nicht egal, von wem sie behandelt werden. Sie suchen sich !Ihren! Arzt aus. zum Beitrag »

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