Ärzte Zeitung, 05.03.2009

Hausarzt in Bad Doberan

Praxisübernahme nie bereut

Der Osten kann für Vertragsärzte lukrativ sein. Dies gilt nicht erst seit der Honorarreform. Der Allgemeinarzt Dr. Georg Stroka hat die Übernahme einer Praxis vor sechs Jahren in Bad Doberan nie bereut.

Von Dirk Schnack

Dank einer guten Terminorganisation in der Allgemeinarztpraxis von Dr. Georg Stroka in Bad Doberan kommt es fast nie zu Wartezeiten.

Fotos: Jörg Wohlfromm

"Kann man mit dem Auto zu Ihnen reisen?" Diese Frage von Kurgästen aus dem Süden Deutschlands zeigt, dass es noch immer zahlreiche Vorurteile über die neuen Bundesländer gibt. Das von den Straßen, die jedes Auto ruinieren, lässt sich nur schwer ausräumen - auch wenn die Straßen längst in besserem Zustand sind als die meisten im Westen.

Auf solche Vorurteile ist Allgemeinarzt Dr. Georg Stroka in den Jahren seit seiner Niederlassung in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) immer wieder gestoßen, Und auch er selbst war nicht frei davon - seine Erinnerungen waren geprägt von den Grenzkontrollen aus der Vorwendezeit.

Heute sagt der 49-Jährige:. "Ich kann mir nicht mehr vorstellen, meinen Praxisstandort noch zu verlegen." Zumindest wirtschaftlich gibt es dafür auch gar keinen Grund: 1000 Scheine im Quartal, eine Monopolstellung als Badearzt und ein aktueller Fallwert von 43,83 Euro bescheren ihm eine solide wirtschaftliche Basis.

Anzeige und Allergie trieben Stroka in den Osten

Das war nicht immer so. Als Stroka 2002 die Praxis von einer Kollegin übernahm, die aus persönlichen Gründen nach Hamburg ging, hatte die Praxis gerade mal 300 Scheine. Dass sich Stroka damals überhaupt für Bad Doberan interessierte, verdankte er einer Zeitungsanzeige und seiner Allergie.

Als Allergiker fühlt sich Stroka zur Pollenflugzeit an der Küste wohler. Schleswig-Holstein war für ihn deshalb erste Wahl. Mecklenburg-Vorpommern wurde als Praxisstandort erst interessant, als er 2002 einen Bericht über seinen Doberaner Kollegen Dr. Nils Akkermann las. Der Hausarzt war damals an einem Partner für seine gut gehende Praxis interessiert - und Stroka hatte die gleichen Schwerpunkte Akupunktur, Naturheilverfahren und Homöopathie.

Dass die beiden keine Partner wurden, liegt an einer kurz darauf veröffentlichten Anzeige von Strokas Praxisvorgängerin. Die beiden kannten sich bereits aus der Weiterbildung zum Badearzt. Der Praxisstandort direkt an einem kleinen Park in der Ortsmitte hatte es Stroka sofort angetan.

Die Lage zwischen Marktplatz, Schulen und Verwaltungsgebäuden beschert ihm jede Menge Menschen, die täglich an seiner Praxis vorbei laufen. Ein großes Fenster gewährt jedem Passanten Einblick direkt auf den Empfangstresen. Wer die Praxis betritt, sieht nicht das übliche Weiß, sondern einen Raum mit warmen Farben, vielen Skulpturen und Bildern. Das Wartezimmer ist meist nur mit Pappfiguren besetzt - Strokas Mitarbeiterinnen lassen Patienten wissen, wann sie voraussichtlich ins Sprechzimmer können. Die meisten nutzen die Zeit mit anderen Erledigungen.

Das inzwischen im Ort bekannte Schaufenster des Arztes sorgte anfangs für viele Neugierige, andere hielt es eher vom Besuch in der Praxis ab. "Manchen Menschen war es unangenehm, von der Straße aus erkannt zu werden", so Stroka. Über mangelnden Zulauf kann er sich dennoch nicht beklagen. Mit den oft als misstrauisch beschriebenen Menschen an der Küste kam der Arzt von Beginn an bestens klar. Auch mit einem anderen Vorurteil konnte er aufräumen: Obwohl er direkt über seiner Praxis wohnt, klingeln Patienten außerhalb seiner Sprechzeiten praktisch nie bei ihm. "Das ist in sechs Jahren einmal abends und einmal in der Mittagszeit passiert - und da war es ein Missverständnis", erinnert sich Stroka.

Selektivverträge sind in Bad Doberan keine Alternative

Der Arzt schreibt ein Gutteil seines wirtschaftlichen Erfolges der guten Praxisorganisation, aber auch der KV im Nordosten zu. "Ich bin ein Fan unseres KV-Vorsitzenden", sagt Stroka. Denn die guten Verdienstmöglichkeiten für Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern sind nach seiner Überzeugung auf den Einsatz von Dr. Wolfgang Eckert zurückzuführen. Überlegungen zu Selektivverträgen oder Ausstieg aus dem KV-System lehnt Stroka ab: "Uns geht es gut."

Stroka weiß zwar, dass Bad Doberan nicht vergleichbar mit anderen Landstrichen im Osten ist. Schon wenige Kilometer weiter kann die Arbeitsbelastung wegen der geringen Zahl von Kollegen deutlich höher sein. Insgesamt aber hat er das Gefühl, dass die Möglichkeiten für niedergelassene Ärzte im Nordosten unterschätzt werden.

Zumindest bei vielen Kurgästen beobachtet der Badearzt, dass das Land Anziehungskraft entwickelt. Viele von ihnen kommen wieder - nicht länger als Kurgäste, sondern als Touristen und dann häufig als normale Patienten. Die wissen, dass die Straßen inzwischen gut sind.

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