Ärzte Zeitung, 23.07.2009

Niedriger Fallwert schreckt junge Ärzte ab

Niedergelassene in Westfalen-Lippe fürchten, dass sich Ärztemangel verstärken wird

NEU-ISENBURG (juk). Die Honorarreform hat den Ärzten in Westfalen-Lippe gezeigt, wie wenig ihre Arbeit im Vergleich zu der von Ärzten in anderen KVen wert ist. Nach Ansicht von Hausarzt Dr. Hans Christian Körner lasse die Politik eine ganze Region "absaufen".

Seit Anfang des Jahres tragen die Niedergelassenen in Westfalen-Lippe die rote Laterne: Die Fallwerte für Hausärzte sind hier bundesweit am niedrigsten. Im ersten Quartal betrug der Fallwert beispielsweise 32,18 Euro, in benachbarten Niedersachsen dagegen 44 Euro.

Die Konsequenzen, so Körner, bekämen jetzt schon die älteren Kollegen zu spüren. Einen Praxisnachfolger zu finden ist für sie noch schwieriger geworden als früher. Wer rechne, gehe als junger Arzt doch lieber nach Niedersachsen oder Hessen als nach Westfalen-Lippe, sagt Körner. Der Ärztemangel werde sich in dieser KV in Zukunft verstärken.

Der Hausarzt aus Horn-Bad Meinberg hat es im ersten Halbjahr 2009 geschafft, seinen Umsatz stabil zu halten, sogar ein leichtes Plus zu erzielen. Was ihm jedoch sauer aufstößt, ist, dass sein Einkommen zunehmend von "Nebenschauplätzen" wie Prävention, Psychosomatik oder Hautkrebsscreening bestimmt wird. Die Basisversorgung der Patienten sei dagegen unterbezahlt. Der Fallwert von knapp 32 Euro liege unter dem, was Hausärzte an sich für die Abrechnung der Versichertenpauschale 03112 bekämen (35,70 Euro). Nach zwei Monaten schon habe er sein Budget jedes Quartal ausgeschöpft, so Körner. "Wenn nicht diese Ethikklammer wäre, dann würde man sein Zelt packen und gehen."

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Nebenschauplätze bestimmen das Einkommen

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Kein Weg führt an Prävention vorbei

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