Ärzte Zeitung App, 28.11.2013
 

Sprechstunde einmal im Quartal

Zu Helgoländer Venen per Schiff

Auf Helgoland gibt es nicht viele Facharztpraxen. Die Versorgung der Bewohner erfolgt über Ermächtigungen. Auch Venenspezialist Dr. Jan-Peter Siegers arbeitet auf dieser Basis - er kommt einmal pro Quartal per Schiff.

Von Dirk Schnack

Zu Helgoländer Venen per Schiff

Dr. Jan-Peter Siegers versorgt die Patienten auf Helgoland einmal im Quartal.

© privat

HELGOLAND. Dr. Jan-Peter Siegers hält regelmäßig Sprechstunde auf der zu Schleswig-Holstein zählenden Insel Helgoland, obwohl er im niedersächsischen Cuxhaven praktiziert.

 Dort ist Venenspezialist Siegers zu 50 Prozent im MVZ und zu 50 Prozent in einem Venenzentrum angestellt. Seine Sprechstunden wurden regelmäßig von rund zehn Patienten aufgesucht, die auf Helgoland wohnen - und die laut Siegers "auffällig schlechte Befunde" aufwiesen.

Grund: Auf der Insel gibt es keinen Phlebologen und der Arztbesuch auf dem Festland ist für die Helgoländer beschwerlich.

Kollegen machten Druck

Siegers bemühte sich daher um eine Ermächtigung bei der KV Schleswig-Holstein. Weil dem zuständigen Ausschuss der Umfang seiner Tätigkeit zunächst nicht ausreichend erschien, wurde sein Antrag abgelehnt.

Erst nach Unterstützung aus dem Kreis der auf Helgoland tätigen Kollegen konnte er zu Jahresbeginn mit einer Sprechstunde starten.

Dafür mietet sich Siegers für einen Tag im Quartal in der Praxis des Helgoländer Hausarztes Klaus Wogawa ein, eine von dessen Sprechstundenhilfen ist von Siegers geschult worden.

Rund 15 Patienten kommen im Durchschnitt zu jeder Sprechstunde, nachdem die drei Hausärzte der Insel vorselektiert haben.

Siegers legt Wert auf eine komplette gefäßchirurgische Untersuchung, Wundsprechstunde, Kompressionstherapie und bei Bedarf auch die Planung eines operativen Eingriffs, den er auf dem Festland vornimmt.

"Mir ist wichtig, dass ich eine komplette gefäßmedizinische Versorgung leisten kann und die Inselbewohner nicht nur mit einer Diagnose zurücklasse", sagt Siegers, der in diesem Jahr auch schon eine mehrtägige Fortbildung zur Venenheilkunde für Kollegen, Praxispersonal, Apotheke und ambulanten Pflegedienst auf der Insel durchgeführt hat.

90 Minuten mit dem Schiff

Die Fahrten nach Helgoland sind aufwändig für Siegers. Mit dem Flugzeug braucht er rund eine halbe Stunde, mit dem Schiff rund 90 Minuten. Inzwischen setzt er auf den Wasserweg und übernachtet auf der Insel.

Finanziell lohnt sich die Sprechstunde für ihn zwar nicht. Einen Vorteil sieht er allerdings darin, dass sich als Folge der Sprechstunde mehr Patienten als zuvor bei ihm operieren lassen.

Nach Angaben der KV Schleswig-Holstein haben außer Siegers noch ein Neurologe und ein Chirurg aus der Paracelsus-Nordseeklinik Helgoland Ermächtigungen für die ambulante Behandlung.

Ein Bremer Orthopäde und eine augenärztliche Lübecker Berufsausübungsgemeinschaft haben die Erlaubnis zum Führen von Zweigpraxen auf der Insel. Ständig präsent sind dagegen die drei Hausärzte.

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