Ärzte Zeitung online, 04.11.2013
 

Interview

So gelingt Ärzten ein effizientes Marketing

Marketing wird von vielen niedergelassenen Ärzten ohne große Überzeugung betrieben. Doch können Ärzte sich durchaus treu bleiben und ohne hohes Budget erfolgreich Marketing betreiben. Wie das geht, erklärt Professor Heribert Meffert, emeritierter Hochschullehrer und Lehrbuchautor, im Interview.

Das Interview führte Hauke Gerlof

Professor Heribert Meffert

So gelingt Arztpraxen ein effizientes Marketing

© Prof. Meffert

Aktuelle Position: emeritierter Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre; 1. Vorsitzender im AMD-Netz NRW e.V., das Hilfe für Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration bietet.

Werdegang: Studium der Betriebswirtschaftslehre in München, 1964 Promotion, 1968 Habilitation, Berufung an die Universität Münster (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre); Gründer des ersten Instituts für Marketing an einer deutschen Hochschule.

Lehrbuchautor: Mit seinem Verständnis von Marketing als ganzheitlicher Führungskonzeption hat Meffert die Neuorientierung und Entwicklung im Marketing über mehrere Jahrzehnte entscheidend geprägt. Das Lehrbuch "Marketing - Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung", an dem er als Autor beteiligt und das bei Gabler erschienen ist, gilt als Standardwerk.

Ärzte Zeitung: Herr Professor Meffert, Sie gelten als einer der führenden Marketing-Experten aus der Wirtschaftswissenschaft in Deutschland. Seit Sie selbst an der altersbedingten Makuladegeneration erkrankt sind, sind Sie auch im Gesundheitswesen aktiv. Wo sehen Sie als Außenstehender und Betroffener die größten Defizite in der Patientenversorgung?

Professor Heribert Meffert: Zunächst: Wir haben in Deutschland eine ärztliche Versorgung auf sehr hohem Standard. Die interdisziplinäre und vor allem sektorübergreifende Zusammenarbeit von Ärzten und allen Akteuren der Versorgung von chronisch kranken Patienten ist allerdings verbesserungswürdig.

Sie brauchen heute eigentlich ein Case-Management, um bei chronisch Kranken eine wirklich gute Versorgung zu gewährleisten. Denn die zunehmende Spezialisierung erschwert es noch zusätzlich, dass Ärzte bei der Behandlung eine ganzheitlich Perspektive behalten, die auch über das medizinische hinausgehende Aspekte berücksichtigt.

Im AMD-Netz NRW haben Sie selbst Versorgungsforschung initiiert, Sie versuchen, die Kooperation der am Behandlungsprozess Beteiligten zu fördern, gleichzeitig ist das Netz mehr als eine Selbsthilfeorganisation. Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Meffert: Oft haben Ärzte nur wenig Zeit. Therapeutisch ist ja gar nicht so viel möglich bei der trockenen AMD. Dann heißt es oft nur: Kommen Sie in einem halben Jahr wieder. Wichtig wäre es hier, Hinweise zu geben, wo man sich beraten lassen kann, oder an die richtigen Ansprechpartner zu vermitteln - zum Beispiel, wo sie einen Behindertenausweis bekommen können.

Das primäre Ziel unseres Netzwerkes ist es daher, für die von AMD betroffenen Menschen trotz des Fortschreitens der Erkrankung die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Wir sehen uns als übergeordneter Moderator für die Schnittstellen der Versorgung.

Wir wollen, dass die Patienten wissen, wo sie Hilfe bekommen können - Augenoptiker, Mobilitätstrainer, Selbsthilfegruppen et cetera. Dass hier tatsächlich Bedarf herrscht, haben wir mit mehreren Studien der Versorgungsforschung bewiesen.

Wie nutzen Sie Ihre Erfahrungen als Marketing-Experte zum Beispiel für Ihre Arbeit im AMD-Netz?

Meffert: Marketing ist letztlich die Kunst, die Bedürfnisse eines Kunden optimal zu befriedigen. Und das gilt natürlich auch für den Patienten. Und: Wer Marketing betreibt, denkt in Zielgruppen.

Auch an AMD Erkrankte sind nicht alle gleich, sie haben je nach Vorgeschichte und Persönlichkeit unterschiedliche Bedürfnisse. Viele Beteiligte im Prozess, auch Selbsthilfegruppen, haben wenig Vorstellung davon, wie Kommunikation, Marketing, Fundraising etc. organisiert werden können.

Wir haben als neutrale Instanz von Betroffenen wissenschaftliche Befragungen durchgeführt und so Zielgruppen definiert. Das hat uns sehr geholfen.

Im Gesundheitswesen in Deutschland wird oft beklagt, dass die einzelnen Sektoren der Versorgung - Behandlung beim Hausarzt, Facharzt, in der Klinik, Reha etc. - immer noch ziemlich abgeschottet voneinander arbeiten. Mit welchen Kommunikationsstrategien ließe sich möglicherweise Abhilfe schaffen? Wo sehen Sie Ansätze dafür?

Meffert: Eine Kommunikation allein über allgemeine PR reicht keineswegs aus... Worauf es beim Marketing ankommt und welche Tipps Professor Meffert den Ärzten gibt, erfahren Sie, wenn Sie dieses Interview exklusiv in unserer App-Ausgabe vom 4.11.2013 weiterlesen...

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