Ärzte Zeitung online, 06.03.2014

Niedergelassene Ärzte

Praxis und Familie - das kann gut klappen

Eine eigene Praxis führen und Zeit für die Familie haben - das muss sich nicht ausschließen, wie einige Beispiele beweisen.

Praxis und Familie - das kann gut klappen

Ärztin sein und Zeit für die Familie haben: Die eigene Praxis kann dafür Spielräume schaffen.

© Erwin Wodicka / thinkstock

DÜSSELDORF. Wenn sich junge Mediziner Gedanken über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen, sollten sie nicht nur an die Arbeit als Angestellte in einer Klinik denken. Die Niederlassung bietet hier viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Darauf hat die HNO-Ärztin Dr. Christiane Friedländer beim 5. Rheinischen Ärztetag der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) aufmerksam gemacht. Das Thema der Veranstaltung: "Privatleben. Familie. Arztberuf: Vereinbarkeit als Erfolgsfaktor".

"Es ist die positive Seite meiner Selbstständigkeit, dass sie mir große persönliche Ermessensspielräume gegeben hat", sagte Friedländer.

Das habe sowohl für die Erziehung ihrer drei Kinder gegolten als auch für die Zeit, in der sie ihren Mann gepflegt hat. "Ich konnte das sehr gut organisieren, weil ich mein eigener Chef war."

38,5 Stunden-Woche - das geht wohl eher nicht

Ihr Traum sei immer gewesen, Familie und Praxis unter einem Dach zu vereinen, berichtete Friedländer, die in Neuss niedergelassen ist. Die Verwirklichung dieses Traums habe viel Zeit und Energie gespart.

Weil die Familie mitzog und sie externe Unterstützung hatte, ist es der Ärztin nach eigenen Angaben gut gelungen, das Privatleben, die Arbeit in der Praxis und später auch das berufspolitische Engagement unter einen Hut zu bringen.

Auch Dr. Arndt Berson, Hausarzt aus dem niederrheinischen Kempen, schätzt die Handlungsfreiräume, die ihm die eigene Praxis bietet. Berson arbeitet in einer Berufsausübungsgemeinschaft mit zwei Kolleginnen, sie beschäftigen eine angestellte Ärztin und acht Medizinische Fachangestellte.

"Das Gefühl, der eigene Chef zu sein, könnte ich heute nicht mehr missen", berichtete er. Allerdings ist die Freiheit mit dem Verzicht auf Freizeit teuer erkauft. "Von einer 38,5 Stunden-Woche kann ich in der Praxis nur träumen."

Aber auch hier bietet die Selbstständigkeit Handlungsmöglichkeiten, betonte er. "Am 1. April fängt bei uns eine zusätzliche Ärztin an, die uns mehr Freiräume verschaffen soll."

Großer Nachholbedarf bei Arbeitgebern

Die heute tätigen Ärzte würden stärker denn je den Anspruch erheben, Privates und Berufliches in Einklang zu bringen, sagte ÄKNo-Präsident Rudolf Henke.

"Wir können davon ausgehen, dass die jungen Kollegen - gerade die Mütter und Väter - nicht mehr 60 bis 80 Stunden pro Woche arbeiten wollen, sondern eine gute Balance zwischen Privatleben und Beruf anstreben."

Hier hätten gerade medizinische Einrichtungen noch einen großen Nachholbedarf, betonte Henke. Dabei bedeuteten Arbeitsplätze, die das Privatleben respektieren, im enger werdenden Arbeitsmarkt für Mediziner einen klaren Wettbewerbsvorteil.

"Neben der erforderlichen Offenheit der Arbeitgeber ist auch eine größere Offenheit der ärztlichen Kollegen untereinander erforderlich", betonte Henke.

Die Ärztekammern sind ebenfalls gefragt. Für eine bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf im Anschluss an das Medizinstudium sei die Umsetzung der Novelle der Muster-Weiterbildungsordnung wesentlich, sagte er.

"Ziel der Reform ist eine Struktur, die die bisherigen starren Abschnitte möglichst weitgehend durch Qualifikationen in Kompetenzblöcken und -ebenen, die modularer sind, ablöst." Innerhalb des neuen Rahmens sollte dann auch die Weiterbildung in Teilzeit eine größere Rolle spielen. (iss)

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