Ärzte Zeitung, 27.08.2014

Transplantation

Herzzentrum setzt auf sechs Augen

Manipulation der Warteliste lautet der Vorwurf gegen das Deutsche Herzzentrum Berlin. Doch seit den Vorfällen vor mehr als zwei Jahren hat sich viel geändert.

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Herzzentrum Berlin: Der Chef ist tief betroffen über die bekannt gewordenen Vorwürfe.

© Britta Pedersen / dpa

BERLIN. Das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) hat inzwischen zahlreiche Vorkehrungen für mehr Transparenz und Sicherheit in der Transplantationsmedizin getroffen. Darauf weist der Ärztliche Direktor des Herzzentrums Professor Roland Hetzer hin.

"Mittlerweile werden seit fast zwei Jahren alle Transplantationskandidaten in einer wöchentlichen ‚Listungskonferenz‘ von einer Gruppe von Experten verschiedener Fachrichtungen diskutiert und gemeinsam das Vorgehen beschlossen. Außerdem gilt seit Frühjahr dieses Jahres das Sechs-Augen-Prinzip, wobei ich oder mein Vertreter jeden Antrag bei Eurotransplant gegenzeichnen muss", teilte Hetzer in einer persönlichen Erklärung mit.

Der DHZB-Chef, der sein Amt Ende September altersbedingt abgibt, zeigte sich "tief betroffen", dass die Durchsicht der Patientenakten der Jahre 2010 bis 2012 der Prüfungskommission von Bundesärztekammer, Krankenhausgesellschaft und Kassen Anlass zu weiterer Überprüfung gegeben habe. Er habe "von den umstrittenen Vorgängen direkt und selbst keine Kenntnis" gehabt.

Am Herzzentrum soll durch die Gabe hochdosierter Katecholamine in 28 Fällen gezielt die Wartelistenposition von Patienten verbessert worden sein.

"Dabei war ich, wie ich es seit Jahrzehnten bei vielen Vorträgen und in zahlreichen Veranstaltungen und Gremien gefordert hatte, von der vollständigen Transparenz und Nachvollziehbarkeit unseres Transplantationstuns völlig überzeugt", so Hetzer.

Seinen Angaben zufolge haben die Juristen des DHZB empfohlen, die Staatsanwaltschaft schon einzuschalten, obwohl der Bericht der Prüfkommission noch aussteht. "Diesem Rat ist das DHZB gefolgt, da wir der Überzeugung sind, dass eine offene und transparente Überprüfung durch die Ermittlungsbehörden allein die Garantie gibt, dass Klarheit bei der Beurteilung der in Rede stehenden Vorgänge geschaffen werden kann."

Hetzer schließt zum jetzigen Zeitpunkt aus, dass den auf eine Herztransplantation wartenden Patienten ein Schaden hätte entstehen können. "Wir gehen davon aus, dass die Überprüfungen diese Einschätzung bestätigen werden", erklärte er. (ami)

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