Ärzte Zeitung, 10.11.2010

Folge 26

Rentenansprüche kommen ebenfalls auf das Tableau

Rentenansprüche kommen ebenfalls auf das Tableau

Von Stephan Anft

Die Scheidung von Arztehen ist eine facettenreiche Angelegenheit. Ein Aspekt, der für die Zeit nach der Trennung geregelt werden muss, ist der Ausgleich der beiderseitigen Rentenanwartschaften, die seit der Heirat bis zur Zustellung des Scheidungsantrages begründet worden sind.

Als erstes ist zu überprüfen, inwiefern die Eheleute bei der Scheidung selbst ausreichende Altersvorsorge betrieben haben und sich so selbst vollständig versorgen können. So soll ein wirtschaftliches Ungleichgewicht und damit insbesondere ein Bezug von staatlichen Leistungen vermieden werden.

Im Zuge des Versorgungsausgleichs sind sämtliche Anrechte des scheidungswilligen Arztes aus privaten Altersvorsorgeverträgen, gesetzlichen Rentenanwartschaften, Rentenanwartschaften aus dem Versorgungswerk und soweit vorhanden auch Ansprüche auf Betriebsrente, Beamten- oder

Zusatzversorgung sowie Leistungen bei Erwerbsunfähigkeit in voller Höhe zu ermitteln und jeweils einzeln - bezogen auf den Ehezeitanteil - auszugleichen.

Dem gegenüber gestellt werden die einzelnen Anrechte, die der Ehepartner des Arztes während der Ehezeit erworben hat. Dies gilt auch für Anrechte aus Kindererziehungszeiten. Da keine Saldierung der einzelnen Anrechte der Eheleute stattfindet, erhält der Arzt gegebenenfalls Anrechte aus der gesetzlichen Rentenversicherung des Ehepartners, aus privaten Rentenverträgen sowie aus Anwartschaften im Versorgungswerk.

Gleiches gilt für den Ehepartner. Auch er wird faktisch, obwohl er während der gesamten Ehe nicht in das Versorgungswerk seines Ehegatten eingezahlt oder bei der Begründung der privaten Rentenversicherung mitgeholfen hat, nunmehr im Falle des Rentenbezuges grundsätzlich auch aus diesen von Seiten des Ehegatten begründeten Versorgungsanwartschaften eine Rente beziehen.

Das im Rahmen der Scheidung stets anzuwendende Solidaritätsprinzip bewirkt, dass Rentendefizite, die auf Seiten eines Ehegatten aufgrund der Rollenverteilung in der Ehe aufgetreten sind, mit der Scheidung ausgeglichen werden.

Stephan Anft ist Fachanwalt für Familienrecht bei Haibach Rechtsanwälte, Gießen und Frankfurt; www.haibach.com

Nur für Fachkreise:
Rechtsanwalt Rudolf Haibach beantwortet Ihre Fragen im Forum

Weitere Beiträge zur Serie:
"Ehescheidung - geordnet in die Trennung"

Folge 37

Folge 36

Folge 35

Folge 34

Folge 33

Folge 32

Folge 31

Folge 30

Folge 29

Folge 28

Folge 27

Folge 26

Folge 25

Folge 24

Folge 23

Folge 22

Folge 21

Forum

Folge 20

Folge 19

Folge 18

Folge 17

Folge 16

Folge 15

Folge 14

Folge 13

Folge 12

Folge 11

Folge 10

Folge 9

Folge 8

Folge 7

Folge 6

Folge 5

Folge 4

Folge 3

Folge 2

Folge 1

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text