Ärzte Zeitung, 04.03.2011

TCM-Granulate gelten rechtlich als Arzneimittel

LEIPZIG (mwo). Granulate der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gelten rechtlich als Arzneimittel. Sie dürfen daher nur mit Erlaubnis nach Deutschland eingeführt werden, urteilte am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Es wies damit eine Klage der HerbaSinica Hilsdorf GmbH ab.

TCM-Granulate gelten rechtlich als Arzneimittel

Chinesische Pharmazeuten füllen TCM-Arzneien ab: Importierte Granulate gelten in Deutschland als Arzneimittel.

© Xinhua / imago

HerbaSinica mit Sitz in Rednitzhembach bei Nürnberg ist nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von 30 bis 40 Prozent führender Anbieter chinesischer Heilkräuter in Deutschland. Seine standardisierten Extrakte sind zur Herstellung von Rezepturen bestimmt und werden ausschließlich an Apotheken abgegeben.

Die Versorgung sei gesichert, die Granulate würden nun über andere EU-Länder eingeführt, sagte Geschäftsführer Wenjun Zhong auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Die Aufsichtsbehörden in Bayern hatten die TCM-Granulate als Arzneimittel eingestuft und die Einfuhr nach Deutschland ohne Erlaubnis untersagt. Dagegen wehrte sich das Unternehmen.

Von den rund 230 Granulaten seien kaum zehn Prozent als stark wirksame Drogen einzustufen, der Rest eher mit Lebensmitteln vergleichbar. Da die Kräuter nur an Apotheken abgegeben würden, könne gegenüber den Endverbrauchern auch nicht der Eindruck entstehen, dass es sich um Arzneimittel handelt.

Wie nun das Bundesverwaltungsgericht betonte, erfasse das Arzneimittelrecht aber nicht nur Funktionsarzneimittel, deren pharmakologische Wirkung belegt ist. Es gelte vielmehr auch für "Produkte, die als Mittel zur Heilung oder Linderung von menschlichen Krankheiten in den Verkehr gebracht werden".

Dies diene "dem Schutz der Verbraucher vor der Einnahme möglicherweise wirkungsloser oder sogar gesundheitsgefährdender Stoffe". Zu diesen "Präsentationsarzneimitteln" gehörten auch die TCM-Granulate.

Daran ändere der ausschließliche Verkauf an Apotheken nichts. Die Notwendigkeit einer Einfuhrerlaubnis sei gerechtfertigt, damit "keine möglicherweise bedenklichen Arzneimittel in den Verkehr gelangen".

Az.: 3 C 8.10

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »