Ärzte Zeitung, 30.07.2014

Unter Verdacht

Hebamme war bereits in Hessen auffällig

In München soll eine Hebamme versucht haben, vier werdende Mütter umzubringen. Sie soll auch in einer hessischen Klinik bereits auffällig geworden sein.

BAD SODEN. Eine Hebamme, die wegen versuchten Mordes an vier werdenden Müttern in München in U-Haft sitzt, soll zuvor eine Patientin in Hessen falsch versorgt haben. Die Hebamme habe der Frau ein wehenförderndes Präparat in hoher Dosierung gegeben, hat Geschäftsführer Tobias Kaltenbach vom Krankenhaus in Bad Soden am Dienstagnachmittag berichtet.

Die Schwangere und ihr Kind hätten keinen Schaden erlitten, das Baby kam per Sectio zur Welt. "Es ist der einzige Fall, für den wir einen Beweis haben", erklärte Kaltenbach.

"Dieses Medikament hat bei einer schwangeren Patientin nichts zu suchen. Ein Versehen schließe ich da aus", erklärte der Chefarzt der gynäkologischen Klinik, Dr. Dietrich Mosch.

Den Angaben zufolge handelte es sich um Misoprostol-Tabletten, die vaginal verabreicht werden. Ein Arzt habe einen Rest der sechseckigen Tablette bei der Geburt am 6. April 2012 entdeckt und den Vorfall gemeldet.

Schnell habe sich herausgestellt, dass die heute 33-Jährige zu diesem Zeitpunkt Dienst gehabt habe. Die Klinikleitung suspendierte die Hebamme nach eigenen Angaben und habe die Vorgänge prüfen lassen. Bei einem Gespräch bestritt sie laut Geschäftsführer Kaltenbach, das Medikament verabreicht zu haben.

Ein Rechtsstreit endete demnach mit einem Vergleich. Das Gericht habe die Beweislage als zu dünn angesehen, sagte Kaltenbach. Die Klinik musste der Hebamme demnach eine Abfindung zahlen, die Vorwürfe fallen lassen und ein wohlwollendes Zeugnis mit der Note "Gut" ausstellen.

Mosch informierte daraufhin die Hebammenaufsicht über den Vorfall in Bad Soden. Als er erfuhr, dass die Frau am Münchner Universitätsklinikum Großhadern eine neue Stelle gefunden hatte, habe er an seinen Chefarztkollegen geschrieben: "Ich habe die Befürchtung, dass sich Frau K. wieder in unerlaubter und gefährlicher Weise in die geburtshilfliche Betreuung ihrer Patientinnen involviert." Eine Strafanzeige erstattete die Klinik nicht.

Insgesamt habe die Hebamme in Bad Soden zwischen September 2007 und der Suspendierung 670 Geburten betreut. "Sie genoss einen Ruf als exakt arbeitende und kompetente Mitarbeiterin", sagte Kaltenbach.

Allerdings sei aufgefallen, dass sie häufig bei Fällen mit Komplikationen anwesend war. Die Hebamme soll am Münchner Universitätsklinikum Großhadern vier Frauen bei Kaiserschnitt-Geburten Heparin verabreicht haben.

Sie wurden mit notfallmedizinischen Maßnahmen gerettet. Die Hebamme wurde verhaftet. Sie wies die in München erhobenen Vorwürfe zurück und machte dann keine Aussage mehr. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wo es wie viele Krankenhäuser und Klinikbetten gibt

In Deutschland gab es zuletzt immer weniger Kliniken. Wir zeigen anhand von Karten auf, wie viele Krankenhäuser und Betten die einzelnen Stadt- und Landkreise aufweisen. mehr »

HIV-Infektionen gehen weltweit zurück

2018 haben sich weniger Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert als dies im Jahr 2017 der Fall war. mehr »

KBV für Schließung von Kliniken

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht sich durch die Bertelsmann-Krankenhausstudie bestätigt: „Ein krampfhaftes Festhalten am Status quo bringt niemanden weiter". mehr »